025 – —-die absolute Forderung nach Liebe – Nr.1 und ein paar mehr

Mary 1   Saraha und Pfeilmacherin  850 d

oben das Bild: Saraha und die Pfeilmacherin
diese Gruppe gestaltete Anne Wellershaus für mich.
Über Saraha und die Pfeilmacherin erzählt Osho hier:
„The Tantra Vision“, Vol.1: im ersten Kapitel (lest es von  Anfang an)

„absolute Forderung“? – so sagte es Lina mal zu mir,
und diese Forderung zieht sich durch mein Leben.
Liebe, die nicht absolut ist, geht das?
http://forderung-nach-liebe-2.blogspot.com/

Lina? Lina´s Liebesgeschichte lest ihr hier: http://friedas-liebe.blogspot.com/ , darin „Siebtens – Lina oder die totale Forderung nach Liebe“.

Über mich lest ihr hier: …

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 Mittwoch, 10. April 2013

Einleitung

In diesem Blog findet ihr vier Posts (Geschichten) über Liebe:
 „das absolute Erfahren von Liebe“.
Liebe ist mein großes Abenteuer in diesem Leben. Das hat mich herausgefordert, über Liebe viel zu schreiben. Liebe ist für mich viel mehr als die liebevolle Beziehung von mir mit Frauen. Das alte Wort „in Liebe die Welt umarmen“ drückt das vielleicht aus, das Sanskrit-Wort „Karuna“ auch. Liebe ist die Gesamtheit der Zustimmung zu der Existenz wie sie ist. Weit hinaus über nur Genüsse oder schlimmste Leiden.
Die letzten öffentlichen Worte von Osho (http://meine-meister.blogspot.com/) am Ende seiner jahrzehntelangen Vortragstätigkeit waren nach einer gemeinsamen, tiefen Meditation: „… come back peacefully, silently, as a buddha. … Remembering yourself as a buddha is the most precious experience, because it is your eternity, it is your immortality. It is not you, it is your very existence. You are one with the stars and the trees and the sky and the ocean. You are no longer separate. Remember that you are a buddha“ – „…kommt zurück, friedvoll, still, als ein Buddha. … Denk daran, du bist ein Buddha, das ist die wertvollste Erfahrung, denn das ist deine Ewigkeit, es ist deine Unsterblichkeit. Das bist nicht nur DU, das ist deine ganze Existenz. Du bist eins mit den Sternen und den Bäumen und dem Himmel und dem Ozean. Du bist nicht länger abgetrennt. Denk daran, du bist ein Buddha“.
Das ist Liebe wie ich sie erfahre, allumfassend. Der Buddha in mir ist diese Liebe.Krishna ist in Indien der große Avatar (das ist eine Gottheit, die sich vorübergehend in einen Menschen inkarniert hat) der Liebe (doch auch des Yoga in der „Bhagavat Gita“). Dazu findet ihr eine moderne Geschichte hier:
http://forderung-nach-liebe-2.blogspot.com/
Hier ist eine kurze Liste meiner Liebesgeschichten:
http://friedas-liebe.blogspot.com/ ,
in diesem Blog stehen die folgenden Geschichten:
  Erstens – Frieda radelt mit Stefan zum Ursee (1954)
  Zweitens – Zum Tuniberg – doch vorher … der neue Boogie
  Drittens – Frieda radelt mit Stefan in den Kaiserstuhl (1954)
  Viertens – Bertha fährt zur See habe ich verlegt: http://berthas-seereise.blogspot.com/
  Fünftens – boylove – Radioflyers-Tribe
  Sechstens – Michelangelo Caravaggio – „Amor als Sieger“
  Siebtens – Lina oder die totale Forderung nach Liebe
  Achtens – mein schöner Körper, Stefan loves his body
  Neuntens – Meine Liebe zu mir und zum Fohlen-Knaben auf dem Schrank
  Zehntens – Stefan liebt seine kostbaren Knie
  Elftens – Stefan´s Liebe zum Tamilen-Land (TamilNadu, Süd-Indien), die tamilische Musik, die tamilischen Frauen.
  Zwölftens – Krishna in Vrindāvana – das Göttliche der Liebe
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Dienstag, 25. Oktober 2011

Die Liebe bei den Ghân – viel mehr als Sex

Ausschnitte aus dem fiktiven (!)

„Bericht über Die Wilden Menschen von Rohan
– vom Leben der Ghân im Weißen Gebirge –
oder: Aspekte der wahren Lebenskunst“

von Aryaman
angeschlossen an die Berichte von J.R.R.Tolkien „der Herr der Ringe“

Der Gesamt-Überblick mit Inhaltsverzeichnis hier: http://ghaninrohaneins.blogspot.com/
In Kursiv und hellblau die Worte des Autors

Rohan ist eines der Königreiche in Mittelerde, das gegen Sauron Krieg geführt hat. Sein Volk nennt man die Rohirrim. Das Volk der Ghân lebt sehr versteckt innerhalb Rohan. Die Ghân haben eine spirituelle Tradition, die von Ullam geschaffen wurde, der ungefähr dem Shakyamuni Buddha in der heutigen Welt entspricht.

Ausschnitt aus
Heft 14. DIE SIEBEN PUNKTE (das sind die Chakren) ODER BLUMEN – DER ERSTE PUNKT (das ist das Wurzel-Chakra oder Muladhar) – WURZELN IN DER ERDE, ERDE IN DER SEELE, VOM BLUT DER FRAUEN, DEN BODEN NICHT VERLIEREN – WER BIN ICH?
Zu finden hier: http://ghaninrohanfuenneff.blogspot.com/

Eine Frau des Volkes der Ghân sagt zu mir:
Ja, bluten: wenn wir Frauen bluten, dürfen das alle sehen – auch darin seid ihr (in Rohan) anders, ihr versteckt euch oder verbindet euch – wie eine Wunde, ihr Frauen legt sogar Wert darauf, daß ihr so geschickt seid, daß euer Bluten nicht gemerkt werden kann. Es geht uns nicht darum, daß alle das Blut sehen dürfen, sondern, daß wir gerade diese heiligste Sache in unserem Frauenleben nicht verbergen vor der Mutter Erde, sie ist doch unsere Mutter, weißt du. Da verbirgt man nichts.
Und dieses beste Blut geben wir der Mutter Erde zurück, dort wo unsere Nahrung wächst – um ihr Gutes in Dankbarkeit zurück zu geben – heiligen Dünger!

Ausschnitt aus
Heft 15. DIE SIEBEN PUNKTE (Chakren) ODER BLUMEN – DER ZWEITE PUNKT (Sakral-Chakra oder Svadhisthana)
  ZEUGEN UND STERBEN, AUCH VOM SEX
Auch hier zu finden: http://ghaninrohanfuenneff.blogspot.com/

Mit dem Zweiten Punkt, unter dem Bauchnabel tief innen im Körper, da fühlen wir das neue Leben, er ist besonders wichtig wenn wir ein Kind zeugen oder gebären. Aber auch mit dem Sterben hat er etwas zu tun. Vielleicht verlassen wir hier unseren Körper, wer weiß. So habe ich das mal gehört: Hier beginnst du das Leben und hier beendest du es.
Damit sind wir ja ganz in den ursprünglichen Gefühlen: Sex, Gebären, geboren Werden, Sterben.
Im Ersten Punkt aber sind wir ganz im Leben selbst, im Leben DIESES Körpers, in dieser Welt.

Hat der Zweite Punkt tatsächlich etwas mit dem Sex zu tun?, frage ich sie.

Ja, sagt sie, wenn wir einander begegnen weil wir den Körper des Anderen besonders gerne haben, berühren wir mit der Hand zuerst am unteren Bauch diesen Punkt. Und auch Sterben hat etwas mit Sex zu tun: für uns ist das nicht so was Ernsthaftes, aber ich habe gesehen, daß ihr eure Seelen beim Sex und beim Sterben verspannt, ihr könnt das nicht einfach so lassen wie es ist. Ach, ihr verspannt euch überhaupt das ganze Leben – vielleicht schon bei der Geburt, oder? „Das gute Leben“ ist nicht verspannt, kein „gutes Leben“ ist verspannt. Und ich sehe nicht, daß ihr ein „gutes Leben“ lebt. Ihr tut mir immer wieder leid, wenn ich euch sehe.

– ja, vielleicht seid ihr schon bei der Geburt verspannt, wer weiß, was eure verspannten Mütter euch schon vor der Geburt mitgegeben haben.
Das schönste Sterben ist, wenn du im Zweiten Punkt ganz entspannt bist, und der schönste Sex auch. Hier im Zweiten Punkt kann Entspannung kommen. Hier verlässt du wieder diesen Körper – ganz entspannt?

Wen darf man bei euch am Körper berühren, gibt es das auch, daß man jemanden nicht berühren darf? Zum Beispiel Mann und Mann, oder Erwachsene die jungen Ghân?

Nein, so ist das nicht. Wenn beide es mögen, dann berühren wir uns, wenn eins nicht, dann nicht – ist doch ganz einfach, oder?

Wenn ich an Rohan denke, ist es nicht einfach. Wenn ich mir vorstelle, was wäre, wenn ich eine Frau berühren würde, die mir nicht gehört – oh, oh –, oder gar eine fremde Frau mich! Wenn jemand ein fremdes Kind berühren würde, würde er schnell bei Gericht angezeigt werden, selbst das eigene Kind dürfen wir nur zuhause in den Arm nehmen, außer wenn es noch ganz klein ist.

Nein, bei uns geht es darum, daß wir einander verstehen, und dann ist das Treffen sehr intim und tief – auch wenn viele dabei sind – intim und tief: das ist doch unser Leben, nicht wahr? So sind wir doch alle geboren, oder? Ihr in Rohan seid so wie GEMACHT, wie ein Werkstück, ihr seid nicht wie geboren aus dem Leib von einer lebendigen Frau. Außerdem – was heißt schon „gehören“? Wie kann dir denn eine Frau oder ein Kind gehören oder nicht? Das verstehe ich überhaupt nicht.

Dazu mag ich nichts sagen, denn es würde mich beschämen, so was über unser Volk eingestehen zu müssen. Doch es ist ja so im Lande Rohan. Und eigentlich ist es ja sehr absonderlich, daß sich Leute, die sich lieben, gegenseitig gehören, oder? Und wie fühlt sich das Sterben an? Du sagst, ich werde den Tod hier im Zweiten Punkt fühlen – so wie den Sex? Das widerspricht sich doch!

Man sagt, du stirbst vom Kopf an abwärts und von den Füßen an aufwärts, bis der letzte Funke des Lebens an diesem Punkt aus dem Körper entweicht. Ob du das noch bewußt merkst, weiß ich nicht, doch vielleicht wirst du im Sterben so wach sein, daß dir das nicht entgeht – an deinem Gesicht können wir das nicht mehr sehen, das ist dann still und glücklich, hat schon los gelassen. – Jedenfalls möchten wir Ghân das so erfahren, dafür tun wir viel im Leben. Wir möchten das Sterben „erleben“, könnte man sagen. Wir möchten das alles bewußt erleben – wie alles aus dem Körper weicht, und deswegen sehen wir immer wieder auf diesen Zweiten Punkt, das ganze Leben lang.

Wie ist das in Rohan? frage ich mich. Der Erste Punkt wird von der offiziellen Erziehung voll gesteuert: nämlich NICHT geerdet zu sein: das hat ein gutes Ansehen in der dem Wissen und Denken hingegebenen rohirrischen Gesellschaft; wo es Bewußtheit gibt, lenken wir sie nach oben in das Gehirn, das sich mit Wissen und Denken beschäftigt.

Auch der Zweite Punkt wird in der rohirrischen Erziehung gesteuert: Sex, Gebären und geboren Werden, Schmerzen und Sterben sollen in verschlossenen Räumen stattfinden – außer bei uns Soldaten im Kampf, da dürfen wir öffentlich sterben, aber loslassen im Sterben ist auch nicht angesagt. Ich habe gesehen: fast nie stirbt ein Soldat im Kampf auf schöne gelassene Weise, meistens ist es große Qual, viele Schmerzen im Körper und in der Seele, eingeklemmt zwischen den sterbenden Körpern von Pferden, Kameraden und Feinden, niemand ist da, der einen hinüber geleitet, mit der segnenden (der linken) Hand den Zweiten Punkt berührend, mir der anderen Hand den Kopf stützend oder Wasser gebend. Davon hören wir in der soldatischen Ausbildung nie etwas, obwohl die eigene Qual und der eigene Tod zum Soldaten ebenso gehört wie das Töten und Quälen der Feinde, der Frauen und Kinder. Selbst Sex ist im Krieg mehr erlaubt als im Frieden: wir dürfen die Feinde quälen, mißhandeln und mißbrauchen (obwohl es nicht extra gesagt wird) – wenn wir denn mal feindliches Land erobert haben.

Also spielt sich ein großer Teil eurer Kriege im Zweiten Punkt ab, oder? werde ich gefragt.

Nicht nur, sondern auch im Dritten, denn hier wird die Kampfes-Wut erzeugt und gesteuert, beginne ich zu verstehen, und die Angst und andere Gefühle werden unterdrückt.

Aus
Ghân-Buch 8 – Die Ghân in Rohan – Text
Heft 31. DIE SEELE EINLADEN, DIE SEELE AUSLADEN – ZEUGEN UND STERBEN IM GHÂN-LAND

hier zu finden: http://ghaninrohanacht.blogspot.com/



Eine junge Frau sagt mir mal:

solange Schwangerschaft nicht gewollt ist, nehmen wir alle gewisse Kräuter, nur wenn sie gewollt ist, nehmen Mutter und Vater die Kräuter nicht, sie bleiben dann für sich und laden einen kleinen neuen Ghân ein, zu ihnen zu kommen, – ja, welchen neuen Ghân denn? frage ich.

Das wissen wir doch auch nicht – aber wenn du eine Seele einlädst, in deiner Familie zu leben, bei euch als Mensch geboren zu werden, mit euch ein „gutes Leben“ zu leben – dann wird eine schöne Seele den Weg zu euch finden. Denn im „vorigen Leben“ haben sich viele Seelen schon auf das nächste Leben vorbereitet und während der Zeiten zwischen den Leben auf den Weg gemacht: sie haben ein waches, liebevolles und stilles Leben geführt, dann haben sie einen klaren Blick und tragen nicht so schwere Lasten mKerze erlischt“ oder sie wählen sich einen Platz. Die meisten wollen bei uns hier, bei den Ghân wiedergeboren werden.it sich. Dann können sie nach dem Tod selbst einen Weg wählen – entweder werden sie nie wieder geboren und „ihre Kerze erlischt“ oder sie wählen sich einen Platz. Die meisten wollen bei uns hier, bei den Ghân wiedergeboren werden.
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Ich frage: wie geht das, „eine Seele einladen“? Und sie berichtet über das geplante ZEUGEN eines neuen Lebens:

Na, die beiden Eltern feiern dann miteinander, sie richten es sich schön ein, machen sich eine Laube draußen im Wald oder in den Wiesen und schmücken sie mit Blumen, schönen Steinen und dergleichen. Oder sie gehen vielleicht in die Festhalle, da wird dann ein Feuer gemacht und leicht und feierlich getanzt oder so etwas. Meistens ist das Paar allein, aber oft laden sie auch andere ein, dabei zu sein. Und es wird so schön gemacht, wie es schöner nicht geht – wir laden ja eine Seele ein, bei uns zu leben, das kann doch nicht so irgendwie gehen, das ist doch ein ganz besonderes Fest – oder? Wir sind doch keine Tiere! – und selbst unter den Tieren gibt es welche, die ein Fest daraus machen, auf ihre Art.
Jedes Paar hat eine eigene Art, die Einladung auszusprechen und zu feiern. Jedenfalls gehört viel Stille und Wachheit dazu, und Liebe für alle, und etwas Vorbereitung an den Tagen davor – bald werde ich dich einladen, möchtest du?

Ein paar Tage später werde ich von ihnen eingeladen. Schon Tage vorher sitzen die beiden fast immer zusammen, gehen zusammen, schwimmen zusammen im Fluß, sammeln süße Früchte und große Blumen, finden besonders schöne Steinchen und tragen alles nach Hause. Sie sind wie ein Honig-Schwalbenpaar, das sich ein besonders schönes Nest baut – die Honigschwalben habe ich nur hier gesehen. Das Ghân-Elternpaar streichelt einander den Körper, nimmt duftende Blätter, macht einen Duftsaft daraus und spielt damit – einander einreiben, unter die Nase halten … Und oft sitzen sie bei Ulam und feiern seine Schönheit.

Das Paar trägt flatternde bunte Tücher, neu aus dem Lamedon, die sie im Wind flattern lassen. Sie tanzen umher und lachen alle an und laden alle ein, kommt und seht, wie schön wir es unserer neuen Seele machen. Der Abend kommt, an dem wir zur Festhalle gehen, alle festlich angetan, feierlich und ein wenig fröhlich. Wir alle waren vorher bei Ulam (eine Persönlichkeit ähnlich wie Buddha) gewesen und haben gespürt, wie es ist, wenn nun eine neue Seele sich nähert. So schön haben wir in Rohan das nicht, wir sind da ziemlich unbewußt, laden niemanden ein, ich glaube, die meisten Rohirrim würden die Ghân-Art ziemlich albern finden, die Ghân aber unsere Art grausam und häßlich.

Es ist wie ein Fest mit Tanzen – nur daß das Paar immer im Mittelpunkt ist, alle wünschen Glück, alle laden eine neue Seele ein, manche bringen Glückssteinchen mit für den neuen Ghân, das sind bunte, besonders schön hell schillernde, polierte Steinchen, manche bringen Blumen oder bunte Tücher, Obst, ein Fruchtgetränk, ein paar bunte Federn, einen bunten Federschmuck für die Hütte …

Das Tanzen – es ist wieder wie der Kranich-Tanz – wird stiller, das Paar wird von den anderen umringt. Ganz große Aufmerksamkeit ist in allen Gesichtern und Stimmen. Ein paar Leute bringen Felle heran und legen sie in die Mitte neben das Feuer. Die beiden gehen hin und setzen sich einander gegenüber, mit übergeschlagenen Beinen … rundherum die anderen.

Nun hat sich das Paar in Tücher gehüllt. Sie sehen einander lange in die Augen, summen vielleicht etwas gemeinsam, und die anderen mit. Frau und Mann verbeugen sich vor einander und begrüßen sich, indem sie den Gott, die Göttin begrüßen. Sie verbeugen sich vor einer kleinen Statue von Ulam und bitten ihn, dabei zu sein. Sie singen eine Anrufung mit lauten Stimmen und sie Gäste summen dazu einen Grundton.

– Geliebter Ulam, wir sind ein junges Elternpaar, das eine kleine Seele einlädt.
– Geliebter Ulam, wir sind ein junges Elternpaar, das eine kleine Seele empfangen will.
– Geliebter Ulam, gib uns die Freude aneinander, daß wir eine besondere Vereinigung miteinander erleben können – den Gästen und der neuen Seele zum Genuß.
– Ich, der Vater, will der Mutter, der geliebten Frau, den Samen aus meinem Leib geben, damit für die Seele ein junger Körper wachsen kann.
– Ich, die Mutter, will den Körper der jungen Seele in meinem Leib hegen und wachsen lassen.
– Wir widmen unser Elternleben deinem Andenken, deinen Lehren.
– Demütig wollen wir die kleine Seele annehmen, wer auch immer kommen wird.
– Geliebter Ulam, hilf uns durch deine Lehren, gute Eltern zu sein.
– Geliebter Ulam, wir wollen die neue Seele annehmen und sie einladen, mit uns zu leben, bitte hilf uns dabei durch deine Lehre und dein Sein.
– Geliebter Ulam, gib uns die geistige Klarheit, die die kleine Seele an uns braucht um zu wachsen und zu reifen.

Und sie nähern einander und vereinen ihre Körper, sehen dabei zu, daß das Feuer des Anfangs verhalten bleibt und beide nicht sofort in die große Erregung geraten. Ihre Körper sind nun eins, ihre Seelen haben sich verbunden und sind eins. Und so schweben sie durch die heiligen Himmel ihrer Liebe – lange und mit ab- und zunehmender Erregung. Beide achten darauf – und sagen es einander mit leisen Worten –, daß sie gleichzeitig im Hellen und im Dunkeln sind.

Und schließlich, einander Zeichen gebend, lassen sie ganz los und lassen sich treiben in die tiefste Erregung und Vereinigung – und das ist der Augenblick, wenn die neue Seele den Eingang finden kann, nun muß sie nicht mehr suchen nach einem Schoß zum neuen Leben. Er ist gefunden. Und alle singen voller Freude über diese schöne Einladung und dieses schöne Fest! Die Erregung dieser Vereinigung spüren nun alle Gäste und sind sehr glücklich, dabei zu sein. Viele erleben in dieser Nacht das Göttliche ganz nahe, ja ihre Seelen vereinen sich mit dem Göttlichen. Denn die Erregung der Vereinigung breitet sich in den Körpern, den Sinnen und den Seelen aus und treibt sie in alle Tiefen und Höhen hinein

Ich frage, ob sie erkennen können, welche Seele in welchem neuen Körper einkehrt und wiederum im Leben erscheint. Der weise „Mann aus der Ewigkeit“ ließ mir zu dieser Frage die folgende Botschaft überbringen:

Ich kann das oft ganz klar sehen, doch für die meisten Ghân ist es sehr schwer. Manche können es lernen – doch große Wachheit und Aufmerksamkeit und Menschenkenntnis gehören dazu. Und ich muß ja das erste Gesicht von früher her kennen, damit ich es wiedererkennen kann.

Auf meine Frage, ob ein Paar eine bestimmte Seele einladen kann, meint er in seiner Botschaft:

Man kann es versuchen, doch damit die Einladung gelingt, muß das Paar große geistige Klarheit und Weitsicht haben – sie dürfen sich also nicht durch die große Erregung während ihrer sexuellen Begegnung ablenken lassen, und wer kann das schon. Es wäre zu riskant, eine bestimmte Seele einzuladen, denn wenn es nicht gelingt, sind sie lange, lange enttäuscht, und das treibt einen schweren Keil zwischen die Eltern und das Kleine (das „mißratene“ Kind würden wir in Rohan dann sagen).
Das Risiko ist zu groß. Ich würde sehr abraten. Man übt ja einen Zwang auf die noch freie Seele aus. Sie hat nun nicht mehr die Freiheit der eigenen Wahl.

Später werden Säfte herum gereicht, man umarmt einander voller Freude, und das Elternpaar verharrt voller Rührung noch lange umschlungen. Verstohlen und scheu sehen sie unter ihrer Felldecken hervor und genießen die Glückwünsche und ein paar Schlucke der süßen Säfte. Die Mutter hält mit ihren Händen ihren Schoß, voller Fürsorge das Neue schützend. Der Vater sitzt nun dabei und hält besorgt seine Hände um seine Geliebte.

Die ganze Nacht bleiben die Gäste zusammen und bewachen den Schlaf der beiden. Am Morgen bringen sie Tee und Süßigkeiten und übergeben ihnen die Geschenke. Danach gehen alle zu Ulam´s Statue und sitzen dort lange Zeit still und in erwartender Ruhe, aufmerksam lauschen sie auf alles, was in der Welt geschieht. Ich bin traurig, daß wir in Rohan so etwas nicht kennen – wie einheitlich sind die Ghân doch durch diese Art, immer wieder im eigenen Volk zurWelt zu kommen.

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Hella´s  Rock und Strümpfe

eine Liebesgeschichte geschrieben am 5. April 2010 von Stefan

Neulich lernte ich, Stefan, einen alten Mann kennen, der mir Fotoalben aus seiner Jugend zeigte. Und da sah ich ein paar schöne Fotos und Texte aus den 1940er Jahren. Also aus der Zeit unserer Jugend und Kindheit, er ist – wie ich – Anfang der 1930er Jahre geboren, irgendwo in den Bergen. Was er erzählte, ergriff mich sehr, und einige der Fotos auch, und daraus entstand das Folgende. Der alte Mann erzählte mir seine früheste Liebesgeschichte:

Wir kennen uns schon lange, erst als Kinder, und nun, Hella die Bauerntochter von nebenan, und ich, der älteste Sohn Peter eines Lehrers für Fremdsprachen (der mich oft Petros nannte) … da kamen wir uns sehr nahe, weit über das hinaus, wie es mir mit meiner Schwester Brita je erging. Wir lernten erste tiefe Aspekte der Liebe kennen, und das war sehr neu und verwunderlich. Neue Blicke in das Leben, von denen wir vorher fast nichts wußten. Wir wurden getrieben von unseren Körpern und konnten und wollten nichts dagegen tun. Es war so, daß wir freier waren als andere junge Leute in jenen Jahren.

Ich habe vier jüngere Geschwister, eine Schwester in Hella´s Alter, eben die Brita, und die liebe ich, aber ihr Zwillingsbruder und die anderen, die sind mir alle egal, fast jedenfalls. Mit Hella und Brita bin ich oft zusammen, und da leihen wir uns mal die Box-Kamera von unserer Mutter und fotografieren uns gegenseitig, doch das Gerät ist schlecht, doch ein paar Bilder habe ich hier in diesem Album, unscharf … Nun also meine Geschichte zu diesen Fotos:

»… sie steht auf und sieht mich an, Tränen kommen, sie geht zu einem glattrindigen Baum und legt ihre Arme so an die Rinde, daß sie ihr Gesicht drauflegen kann. Dreht mir den Rücken zu, und schluchzt, „ich will nicht, daß du unter mein Kleid guckst.“

Meine altmodische Kleidung mit 16.

Meine altmodische Kleidung mit 16.

Vorher saßen wir einander gegenüber auf der Wiese und Hella lächelte und sagte, „ich kann ja tief in deine Hosenbeine sehen, so weit sind sie. Und ganz groß sind da deine Hoden, wie süß – und auch stark. Und ein bißchen weiße Unterwäsche blitzt raus.“
Ich war verlegen, muß rot geworden sein, obwohl mir das auch angenehm war – „bin ja auch schon 16,“ sagte ich, „da sind sie groß, oder?“ Ich zeige gerne meinen Körper, jedenfalls der Hella, und Brita auch. Deswegen hatte ich heute eben diese kurzen und weiten Hosen aus dem Schrank geholt, Sommerhosen! Fast wie ein Röckchen – ich liebe Röcke, möchte auch mal einen tragen, aber ich traue mich nie. Meine Mutter hatte mir diese Hosen aus einem Mädchenröckchen geschneidert, sie haben auch Ähnlichkeit damit, und das ist auch schon was, diese Weite.

„Und doch bist du noch ganz wie ein Kind, ganz helle Stimme, süß, und Kindergesicht, Mädchengesicht, finde ich.“

Mit den Armen umschlang sie ihre Knie und hielt ihr Kleid, und ich sagte, „ich möchte auch mal unter dein Kleid sehen …“ – und da stand sie schnell auf und ein paar Tränen kamen und sie sagte, „Ich will nicht, daß du unter mein Kleid guckst.“

Nun steht sie da am Baum und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten könnte. Einerseits möchte ich unter ihr Kleid sehen, was sie da alles unterhat, Mädchensachen, die ich von meinen Schwestern auch kenne – aber nun … Hella ist meine Freundin und erst 13 und wohnt im Nachbarhaus, eine Bauernfamilie. Mit 13 ist sie doch noch sehr jung, darf ich das denn?

Schluchzend stammelt sie, „komm und hebe mein Kleid hoch, etwas …“ Ergriffen stehe ich auf, habe Angst, daß uns Leute sehen, doch hier oben am Waldrand sind selten welche, höchstens Kinder aus unserem Dorf. Ich sehe ins Tal runter, weites Flußtal, ein paar weitere Dörfer, Rauch von Häusern, Kindergeschrei, Kühe … Hinter uns der Wald und Berg mit Felsen, die ich liebe. Pirol ruft.

„Komm doch.“ Wieder ein paar Schluchzer, ich traue mich nicht, „komm endlich, ich will das – ach nein eigentlich vielleicht nicht.“

Wieder Schluchzen. Ich hocke mich hinter Hella und hebe langsam ihr langes und weites Kleid ein wenig, werde ganz erregt, doch nun ist da ihr Unterkleid, weiß und fein und mit Spitzen unten dran, fast so lang wie das Kleid, hatte ich ja vorher schon gesehen. Sonntäglich fein allles.

„Heb´ auch das Unterkleid, bitte …“ und langsam … jetzt sehe ich die Strümpfe, beige, wollig oder so, „noch etwas höher, bitte,“ schluchzt sie – was bedeutet denn ihr Weinen? Diese Strümpfe sind ja lang, so wie ich sie auch gerne trage. Ich hebe Kleid und Unterrock weiter, langsam, um sie nicht zu verletzen, es ist ihr ja nicht nur angenehm. Und dann kommen die Schenkel über dem Rand der Strümpfe.

Diese weiche Schenkelhaut, heller als die Strümpfe, leicht berühre ich Hella´s Beine, ein leichtes Höschen aus Seide oder so, auch mit Spitzen, leicht um die Schenkel … es ist schon eigenartig, wie die Frauen sich kleiden, alles so offen, mit Spitzen … – und dann weinen sie, wenn ein Junge das mal sehen will – irgendwie verquer. Alles ist so offen nach unten – es ist ihre Art, und dennoch haben sie Angst, auch Hella, hat sie mir mal gesagt, und Brita auch, aber zu mir ist Brita offener.

die Mädchen in den 1940er Jahren

die Mädchen in den 1940er Jahren

Mit den Händen umfasse ich vorsichtig ihre Schenkel. Ihre Beine zittern, ich zittere auch, nun stöhnt sie, „streichele mich mal, streich mal über meine Beine, berühre mich mal mit deinen Haaren …“ – ich halte das Kleid hoch.

Unter ihrem Kleid ist ein wunderbarer Duft, so wie ich Hella schon mal gerochen habe, aber nicht so sehr wie heute. Dieser Duft macht mich noch mehr zittern, und wie ich hocke, rutscht mein Penis aus dem Hosenbein, ganz steif und lebendig. Alles rutscht raus und ich fühle mich unten nackt und verletzlich. Dennoch ist es richtig so. Nacktheit da unten. Diese Offenheit – das bin ich.

Ihre Strümpfe sind an Strumpfhaltern befestigt, die aus dem Höschen rauskommen, ich fühle, unter dem Höschen hat sie einen festen Hüftgürtel, an dem die Halter angeknöpft sind. Und an einem Knopf an den Strümpfen – wie meine Mutter und auch Brita manchmal.

Was sie da nicht alles anhat: der Hüftgürtel, die Strumpfhalter und Strümpfe, das Höschen, das Unterkleid, ihr knielanges Kleid und über allem eine geblümte Schürze (die Mädchen damals meistens trugen). Und alles so offen. Und dann noch sportliche Socken an den Füßen und derbe, sportliche Skistiefel.

Nun schluchzt Hella wieder und zittert am ganzen Leib, und ich spüre, wie etwas Flüssiges an den Schenkeln runterläuft. Sie spreizt die Schenkel etwas. Das macht mich sehr erregt, und ich versuche, mir das Flüssige, das sehr duftet, aufs Gesicht fließen zu lassen. Mein Gesicht wird ganz naß – und es ist etwas Heiliges dabei, meine Liebe zu dieser schönen Hella. Mein Körper wird ganz erregt und ich drücke das Gesicht ganz an ihre Schenkel – da beginnt es in meinem Unterkörper heftig an zu zittern, und er wackelt hin und her, ich habe keine Gewalt mehr darüber, ich kann mir nicht helfen, und aus meinem Penis kommt mit Kraft eine Flüssigkeit heraus, wie bei Hella, spritzt an Hellas Füße, die das durch die Strümpfe spürt und vor Wonne schreit.

Nun dreht sie sich um und sieht mir durch ihre Tränen ins Gesicht, und ich habe auch Tränen, weil es so sehr rührend ist mit ihr, so nahe, so warm, so lieb, wie verschmolzen miteinander. Sie hebt ihre Kleidung hoch und zieht an dem Höschen und zeigt mir, was da noch drunter ist – eng am Leib der rosa Hüftgürtel mit den Strumpfhaltern. Und ein wenig dahinter versteckt ihr Schönstes, verziert mit ein paar lockigen Härchen, ihr Weiblichstes: ihre Scheide, es macht mich scheu, ihre Scheide anzusehen, und nun sehe ich, wo das Flüssige herkommt, aus der Scheide. Schnell bedeckt sie wieder alles – „nun hast du unter mein Kleid gesehen, ist das was Gutes? Fühlst du dich gut? Hast fast alles gesehen und gespürt und gerochen, hast du auch ein wenig geleckt?“

Ja, es ist gut und richtig.

Zusammen setzen wir uns auf die Bergwiese und halten unsere Hände, still, bis das Gespräch über unser Erlebnis beginnt.

„Ja wir Frauen ziehen uns nicht so dick und verschlossen an wie ihr Jungs. Wir sind offener, dafür haben wir so viele Sachen übereinander an. Wir verdecken uns durch die vielen Falten, die Schleier, denk an den Petticoat.“

Hella meint nach langen Minuten, in denen sie mich ansieht, „du bist ja auch offener, wie ich erlebe. Wir Frauen ziehen die langen Strümpfe an, damit oben etwas Nacktes, was Freies ist, und das kann ein großer Genuß sein – wie eben!“

„Du hast ja auch mal wieder ganz lange Strümpfe angezogen, was ist da das Besondere für dich?“ fragt sie, ja, ich liebe nicht nur die kurze, weite Hose sondern auch lange Strümpfe, die weit oben an Strumpfhaltern angeknöpft sind (die am Unterhemd hängen), doch an der Innenseite der Schenkel hängen sie runter und da ist es nackt, gerade heute, bei diesen sehr weiten Hosen. Ich liebe diese Freiheit am Körper. Und daß Hella das mal sehen kann. Ganz wie zufällig, und doch will ich das. Wo die Schenkel nackt sind, gerade sah Hella meine Hoden, und gerade da kam der Penis raus und leerte sich vorhin. Und da ist alles offen, und das mag ich sehr. „Körpergenuß?“ sagt Hella. Ja, das sagt man wohl so.

„Ist das Mädchenhaftes, was du daran magst?“ – „Vielleicht, jedenfalls habe ich´s bei Mädchen abgeguckt, ist eine schöne und – eben – gefühlvolle Kleidung,“ mein´ ich. „Als Junge von 16 trägt man das doch nicht mehr, schon fast ein Mann,“ sagt Hella und lacht. „Ob ich fast ein Mann bin, ist mir egal, finde ich nicht, will ich jedenfalls nicht sein. Ich bin ein Junge so wie ich bin, und das gefällt mir, das ist mir recht – wenn ich in unserer Klasse auch der einzige bin, der so kindhaft ist, so´ne helle Stimme hat. Der letzte. Das letzte Kind!“

„Ja, doch ich habe gemerkt, nicht alles ist kindhaft an dir, oh ja.“«

Ich sage zu dem Mann, die Bilder sind schön, aber einfach zu unscharf. Ich kann gut zeichnen und zeichne sie ab, damit die Nachwelt mehr davon hat. Damit die Leute später erfahren, wie schön manches früher war – oder doch hätte ein können, wenn wir´s gekonnt hätten.

Und ich sage, deine Geschichte schreibe ich gerne auf und würde sie gerne veröffentlichen. – Wieso? fragt er. – Ich schreibe gerne Geschichten über Liebe und Erotik und Sexualität. Ich übermittle gerne größere Freiheit und auch größere Liebe und Rücksichtnahme und Achtsamkeit für die Liebenden. Ja, Achtsamkeit, Achtung und Rücksichtnahme. Alle müssen den vollen Genuß aus der Liebe haben, niemand soll da vernachlässigt werden oder gar ausgebeutet – wie es so oft ist. Und am besten die volle Tiefe der Liebe erfahren.

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Mittwoch, 26. August 2009

Im Künstlercafé – das Mädchen in Seidenstrümpfen

Im Künstlercafé: Das Bild                 



das junge altmodische Mädchen und der alte Mann
Die Begebenheit hierzu:

Im Künstlercafé: Der  Künstler  –  oder?   

alle meine Blogs findet ihr hier aufgelistet:
http://mein-abenteuer-mein-leben75.blogspot.com/.

geschrieben im März 2005 — nach einem Erlebnis gestern abend im „Antik Cafe“ in Schwerin

Die Frauen liebe ich so sehr . . . .

Im Künstler-Cafe in der Altstadt finden sich heute nachmittag nur wenige Gäste. Verträumt sitze ich auf einem der dunkelroten Plüschsofas und nippe an einem Cacao-grandioso, mit viel Schlagsahne drauf. Langsam lege ich meinen strahlend blau-grün-gemusterten Rock auf den Knien zurecht. Er hat ein lebendiges Schottenmuster, Tartan genannt. Aber ansonsten ist er nicht schottisch, ist nicht wie ein Kilt geschnitten sondern lang bis unter die Knie. So habe ich es zur Zeit gerne, und wenn ich an die Ostsee gehe, weht der Rock weit im Seewind, und es ist angenehm kühl an meinen Körper. Obwohl ich ein Mann bin, trage ich fast nur Röcke. Selten habe ich Hosen an, vielleicht zwei Mal im Jahr, wenn ich mit der Bahn fahre.

Na ja, fast einsam ist es hier heute. Dorit, die Wirtin räumt die Theke auf und kommt ab und zu an meinen Tisch, und ich frage sie, ob da jemand interessiert sein könnte an meiner Schottland-Sammlung. Sie will nachfragen.

Gelangweilt sehe ich auf meine hell-dunkel-braun-geringelten Strümpfe, die als Gegensatz zu meinem Rock passen. Die kleine Tür zur Straße geht auf und mit einem regnerischen Windstoß kommt ein Gast. Ich ziehe meinen Rock etwas hoch und besehe mir meine Strümpfe, die bis oben hin gehen. Und ich sehe weiter auf meine Beine und denke, diese weißen Skisocken sind reichlich altmodisch, aber warm sind sie doch. Und die Schuhe sind so, wie ich es mag: klobig und staubig und ohne Schuhwachs. Und der Teppich hat … — „hallo Sie, darf ich mich hier mit hinsetzen?“, eine helle Stimme, etwas fordernd. Sie zieht sich eine Windjacke aus und hängt sie an den alten Kleider-Haken.

Der neue Gast ist eine junge Frau, die vor mir steht und mit großen Augen mein Gesicht ansieht. Fein und aufwendig hat sie ihre Haare frisiert, doch nun sind sie etwas feucht und zerzaust. Und ihre Brauen hat sie fein geschnitten — scheint mir etwas zu schmal. Tropfen hängen am Gesicht, fast als ob sie geweint hat, aber sie lacht, es war der Regen, wir betrachten uns kurz, oh, dieses junge Wesen spricht mich an, sie könnte fast meine Enkelin sein, denke ich verschämt.

„Ja — ja gerne, möchten Sie …?“ „Nein ich bestelle mir was,“ sagt sie eilig. Sie sitzt nun um die Ecke neben mir am Tisch, auf einem der altmodischen Stühle, von der Decke hängt eine Lampe an einem langen Stiel, noch ist sie dunkel. Beide wissen wir nicht recht weiter, und ich muß beobachten, ob ich nun väterliche Gefühle hochkommen lasse, oder ob es einfach diese Frau neben mir ist, die mich so wärmt, ich bin ja ein alter Mann mit altem Gesicht und wenigen weißen Haaren und hellgrauem Bart und was noch dazu gehört, und mit einer sehr tiefen Stimme. Der Kontrast ist sehr groß … und interessant.

Still und etwas verlegen sehe ich sie ab und zu an, ihre blaßgrüne seidene Bluse, ihr kleines Halskettchen aus roten Holzperlen, oder sind es Korallen?, und ein schmales dunkelgrünes Halstuch bringen eine Nachricht wie aus den 50er Jahren mit, ach, und die Wirtin hat italienische Musik aus jener Zeit aufgelegt, Vicco Torriani und so, das Mädchen sieht mich an und stellt bald die erste Frage, „tragen Sie immer Röcke, mögen Sie das? ich sehe Sie immer in Röcken, bunte, das mag ich,“ „ja, ich mag lieber Röcke tragen, schon als Kind hätte ich gern …, doch damals war das unmöglich, die Zeiten damals waren anders, wissen Sie? heute sind wir freier, oder? … wo sehen Sie mich immer?“

„Kennen Sie mich nicht? Wir haben uns schon oft im Buchladen gesehen, ich verkaufe da, wissen Sie nicht mehr?“ Ich erinnere mich nun, doch sie ist heute so anders gekleidet, da …
Sie schiebt die altmodische Tischdecke in wenig zur Seite, „ich trage auch immer Röcke, und heute habe ich meinen besten an,“ bewundernd sehe ich auf ihren warmen, beige-braunen Tweed-Rock, er lässt nun ihre Knie frei, und ich bewundere die Nylons, „mit Nylons, das ist doch schon selten heute,“ sage ich, und sie trägt schlichte, dunkelbraune Pumps, fast wie meine Mutter sie früher noch trug, eigenartig, daß es sie wieder gibt – „sind die neu oder antik?“ frage ich, „antike Form, neu gemacht, das geht heute wieder.“

„Das geht heute wieder …“, das verwirrt mich. Gehen die Zeiten zurück? Die 50er Jahre waren nicht einfach, noch vieles vom Krieg zertrümmert und häßlich, und unser permanent schlechtes Gewissen, und das neu Aufgebaute nicht immer schön und harmonisch, heute haben wir schon einiges von damals wieder abgerissen. Doch die Damen damals hatten einiges, was schöner war als heute, fraulicher, feiner, eleganter, liebender, begehrenswerter …

Vieles davon ist seitdem verloren gegangen — und diese junge Frau, ihr Urgroßvater mag noch Soldat im Krieg gewesen sein, als ich Kind war, sie holt das alles wieder hervor, mir scheint, sie holt sich das Schönste: dieser Tweed-Rock, diese Seidenbluse mit den langen Ärmeln, und die tomatenrote Perlenkette, „mögen Sie das so?“ frage ich.

„… es ist ein wenig unmodern, ja, doch ich mag das gerne so,“ sagt sie noch, ich sage dann aber, „ich liebe diese Art, und Sie sehen darin fraulicher aus als in dem Kleid, das Sie im Laden tragen,“ – „ach wirklich, nun erinnern Sie sich? Wissen Sie, ich bin gerne Frau, ach ja, junge Frau, und ich mag es, wenn Männer mich bewundern in diesem Aufzug,“ und sie lacht über das Wort. Ich sehe sie an und flüstere, „ich scheue mich …, einfach so zu sagen: Sie sehen reizend aus, junge Frau! Aber gerade fällt mir nichts Größeres ein.“

Bewundernd sieht sie mich an, „Sie sind ein alter Mann, und ich sehe, noch immer lieben Sie die Frauen, uns Frauen,“ ja, ich liebe die Frauen, und ich sage ihr langsam, „je älter ich werde desto lieber sehe ich Frauen an und bin zusammen mit ihnen — eigentlich will ich nichts weiter als nur mit ihnen zusammensitzen und ihre schönen Stimmen hören,“ – „ich merke, Sie sind mir verfallen, ja? — das dürfen Sie gerne, ohne aber hinterher vor Sehnsucht trübe zu werden, bitte, und nehmen Sie einen warmen, fraulichen Eindruck mit … ich will auch nicht mehr, aber sehen Sie, eine Gottheit hat mir die Aufgabe gegeben, meine Rolle als Frau ganz zu leben, ganz zu spielen vielleicht: den anderen Menschen von meiner Botschaft der Frau zu geben.“
Das verwirrt mich nun wieder: „Was ist diese Botschaft?“ – „ach, das sehen Sie nicht?“
„Doch, ich sehe das, gewiß, ich bin doch ein alter Mann“ lache ich, „mit viel Freude zu sehen, mit viel Seh-Lust.“ Das Mädchen sagt nun, „wie gesagt, eine Frau ist eine Göttin, oder besser: die Frau ist die Göttin, und das ist doch das Höchste, das es gibt — sehen Sie mir das nicht an? alles, was Frau an mir ist, ist göttlich, können Sie das annehmen?“

„Ja, mehr als annehmen: so ist es, ich fühle es, ich fühle die göttliche Frau in Ihnen, ich gestehe, erst sah ich nur eine Fee in Ihnen, aber nun …“

„Sie sollen noch ein wenig mehr sehen … Fee oder Göttin, das ist doch egal,“ und sie setzt sich neben mich auf das Plüschsofa und legt ihre Beine auf meine Knie, die Wärme dieses weiblichen Feen-Wesens dringt mir durch den Körper und die Seele, die Nylon-Knie liegen auf meinen Schenkeln, und sie nimmt meine Hand und lässt sie ihre Knie streicheln …, wärmen und streicheln, „sind Ihre Knie nicht zu kalt in diesen Nylons?“ frage ich leise.

Langsam schüttelt sie den Kopf, „dieses hier … dieses ist wichtiger, selbst wenn sie kalt würden, dieses wärmt mich so …, ach und übrigens ist das Seide, merken Sie das nicht? und auch nicht so hauchdünn! …

… und für das hier lasse ich gerne die Knie erst kalt werden … wissen Sie, ich sah von meiner Wohnung aus, wie sie hier rein gingen, und da habe ich mich zurecht gemacht und bin gekommen, ich wohne nur ein paar Häuser von hier, der Weg ist kurz, da werden die Knie nicht kalt,“ still sitzen wir eine Zeit so, und ich fühle ein Vibrieren in mir — ja das ist die Frau hier auf meinem Schoß, gehe ich zu weit, darf ich das? sollte ich ihr nicht sagen, ich möchte nicht? Nein, bestimmt nicht, das darf ich nie sagen …

„… Sie sollen noch mehr sehen, meine Knie, meine Beine, mein junges Gesicht …, mich Weib, ja?“

Ihre Pumps liegen nun auf dem Teppich, „lassen Sie sie liegen, es ist richtig so.“

Und sie zieht ihren Rock höher und zeigt mir ihre Schenkel, „ich sagte doch, Sie sollen mehr sehen,“ und obwohl ich schon manche Frau angesehen habe, immer wieder scheue ich mich, halte immer wieder Abstand — zu viel Abstand? … vielleicht will sie das nicht, vielleicht ist ihr das zu viel? vielleicht ist der Rock ihre wichtigste Blickwehr gegen Fremdes? vielleicht gehört das zu ihrem Frau-Sein, daß der Rock sich da so lose drüber hüllt, lose, spielerisch, eben verführerisch …?

„… ist Ihnen das zu viel?“ fragt sie mich aber, und ich erschrecke, da sie den Spieß umgedreht hat, ach, was heißt ‘zu viel´? überlege ich, und frage mich schnell: bin ich zu schüchtern oder zu frech.

„… ist Ihnen das wirklich nicht zu viel?“ ich sehe hin, und nun sehe ich, was ich vorher schon ahnte: daß sie Strümpfe anhat, keine Strumpfhosen, und das macht sie so wunderbar weiblich, wie ich lange seit Jahrzehnten keine Frau mehr nahe erlebt habe: Strümpfe und Strumpfhalter, und tief unter ihrem Rock sehe ich kurz ein loses, weites, seidiges Höschen, mit Rüschen und Spitzen, und alles windet sich um ihre Schenkel, und die rosa Strumpfhalter strecken sich da heraus, fast fordernd, und sie ziehen die Strümpfe nach oben, nahe an den Leib.

„Das gehört alles dazu, gehört alles zu mir — sind Zeichen meines Weiblichen, mögen Sie das?“
„Oh, ja, sehr mag ich das, ich mag doch das Weib, tragen Sie das immer so?“ frage ich, „ja, immer, auch in der Buchhandlung, bei der Arbeit, oder wenn ich im Zug reise, immer, nur ist es meistens keine Seide sondern Nylon — wie Sie schon sagten … und den Rest müssen Sie sich denken und in Ihrer Fantasie ausmalen, das gehört zu meinen Botschaften an Sie,“ das wird mir eine liebe Beschäftigung sein, wenn ich wieder alleine bin, ein Sehnen …

Wir sitzen lange so, und sie legt schließlich, zögernd ihren Kopf an meine Schulter, „legen Sie ihre Hand an das Nackte oben an meinem Schenkel, mögen Sie das? ist es schön, auch die Strumpfhalter anzufassen?“ ja, es ist so sehr schön, gerade kann ich mir nichts Schöneres mehr vorstellen, die Tischdecke schützt uns vor den anderen Gästen, und die Wirtin hat unsere Lampe nicht angeknipst, obwohl es jetzt schon dunkel ist draußen, „und legen Sie mir einen Arm um die Schulter — dafür zeige ich Ihnen ja auch meine Schenkel,“ und ihr Kopf liegt mir an der Brust, ihr Atem ist so warm, ihre Haare duften wie Frauenhaare eben duften, immer — „berühren Sie mich überall, bitte, ja?” und mit der Hand schiebt sie das leichte Höschen noch ein wenig zur Seite und meine Finger an ein weiches Stück Haut — und an die Öffnung zwischen den beiden Lippen, und sie lächelt mich an, mit fast zugekniffenen Augen.

„Sie sind so alt und ein solcher Liebhaber …” seufzt sie, „darf ich als junges Mädchen mit Ihnen so schöne Spiele …?” das Cafe ist immer noch fast leer … obwohl die Tischdecke unsere Freuden ein wenig bedeckt, merkt die Wirtin und ihre zwei, drei Gäste manches und freuen sich und sehen teils verstohlen, teils offen und fröhlich zu uns hin, und die kleine Frau auf meinem Schoß dreht sich lächelt ihnen zu, ja sie lacht sie an zwischen unseren Spielen, sie ist eine so freie und unbeschwerte Frau, wie sie früher nicht waren, denke ich. Sogar ihr Rock verschiebt sich dabei und lässt alle Blicke herein …

Dorit fragt, ob sie ein Foto von uns schönem Paar machen darf, und wir stimmen fröhlich zu. Von diesem Foto habe ich hinterher das Bildchen gezeichnet. Na ja, ich bin ein wenig düster darauf geworden, aber darum geht es ja nicht: das schöne Mädchen, darum geht es, ja?

„Ich möchte auch gerne mal sehen, was so ein Mann unter dem Rock trägt, darf ich? das ist doch etwas so Neues für mich,” – „so selten tragen Frauen heute Röcke oder Kleider,” sage ich, „da sieht man ja fast mehr Mann im Rock,” das macht uns versonnen, und sie lächelt.

Etwas umständlich zieht sie an meinem Rocksaum, „oh, der ist ja nicht umgenäht, der ist ja ganz ausgefranst, ist er noch nicht fertig?”- „doch, er ist fertig, aber sehen Sie, wenn er umsäumt wäre, würde mir das so nach unten verschlossen vorkommen, und so ist es ein offeneres Gefühl, und ich trage doch Röcke, um mich ganz der Erde zu öffnen” – „wie eine Frau, ja wir Frauen wissen das, oder ahnen es jedenfalls, doch wir sind auch mal ordentlich und nähen die Säume meistens um, lassen sie nie aus, obwohl mir das mehr liegen würde … ja, ich verstehe.”

„… und dieses Muster, ist das schottisch? Da sind ja so süße rote Streifen zwischen all dem Grün und Blau” – „ja, es gehört dort zu einem Clan, wie die sagen, es gehört zum `Clan Grampian´ und ich mag diese Farbkombination besonders, Kühle und ein Strich Wärme.”

Während sie auf meinem Schoß fast liegt, forscht sie weiter an meinem Rock, „Sie haben ja auch Strümpfe an, halten die so von selbst? oder sind da auch solche Strumpfhalter?” – „sehen Sie selbst!”

… und sie zieht meinen Rock höher und findet den groben Unterrock, „so was tragen Sie? das ist aber was ganz anderes als sonst üblich, mögen Sie das?” – „ja, sehr gerne,” – „ich finde das auch schön, und unten dieser rote Spitzenrand, es steht Ihnen und passt alles zusammen, aber das ist doch sehr ungewohnt, haben Sie da nicht Angst, irgendwie in eine unangenehme Schachtel gesteckt zu werden? … als Absonderling oder gar als geistig nicht recht normal?”

„Ja, das könnte schon mal sein, aber das ist ja die Lust an den Risiken eines bunten Lebens, so sehe ich das jedenfalls.”

„Das gefällt mir, und überhaupt, Männer sollten sich mehr nach ihrer Lust kleiden … und diese sehr weiblichen Spitzen am Rand, geht Ihnen das nicht selbst zu weit?” – „nein … eben die Lust!” – „dann mag ich das auch, an Ihnen, doch sonst?” Und sie legt ihren Kopf wieder an meine Schulter, und nach einer Weile gemeinsamer Stille:

„Sie sind wirklich ein eigenartiger Mann, wenn eine Frau so wäre, könnte das fast normal sein, aber ein Mann?” – und sie wühlt noch mehr in meinen umfangreichen Stoffmengen, „oh, da ist aber viel Rock, ich komme ja gar nicht weiter, und ich möchte doch gerne alles sehen, gibt´s da überhaupt noch mehr zu sehen?” – „ja natürlich,” lache ich, und wir beide lachen laut.

Da sind die strahlenden Perlmuttknöpfe an meine Strümpfe genäht und das weiße Lochgummiband als Strumpfhalter, „oh, das ist aber wundervoll, so was ziehen Sie an, ich wundere mich immer wieder, sowas darf ich doch auch mal tragen? Würden Sie das als ein Plagiat sehen und sind dann beleidigt?” – „nein doch, ich freue mich, wenn so schöne Menschen meine Ideen mögen und aufgreifen … wenn es Mode macht, würde es mir noch mehr Spaß machen als so, vermutlich werde ich aber der einzige sein.”

„Sie haben ja solche Strumpfhalter, fast wie ich, nur diese glänzenden Knöpfe, hier,” und sie spannt einen meiner Strumpfhalter mit der Hand hoch, „das ist eine neue Idee. Möchten Sie am Ende eine Frau sein?” – „das eigentlich nicht,” sage ich verlegen, „aber ich liebe Frauen doch so, daß ich mich ihnen um einiges annähere, mache ihnen einiges nach, voller Freude, will den großen Frauen schon ein wenig ähnlich sein, nahe und ähnlich” – „aber das schaffen Sie nie! und wäre auch schade, denn ich liebe gerade die Männer, und die müssen da bleiben, die müssen so bleiben, Männer” – „… und Frauen haben so praktische Kleidung, da kann ich mir doch wohl ein wenig übernehmen, wenn es mir Spaß macht, ja? und zu mir passt.” – „und was meinen Sie eigentlich mit `große Frauen´?”

„Große Frauen? Es gibt normale Menschen und Große Menschen, Frauen und Männer — Kinder ja auch, — aber die meisten Menschen sind nicht groß, schon an der Kleidung kann ich es sehen — die Großen strahlen Besonderes, eben Göttliches aus, mehr nicht, sie sind irgendwie Götter” – „ja, ich verstehe, Göttliches ist doch schon sehr viel, oder? — und ich in diesem System?” – „sind eine Große Frau, hätte ich das sonst erst angefangen, dieses Thema?”

In meinen Röcken findet sie schließlich, was sie sucht, „ich möchte Sie hier gerne anfassen, darf ich? einen so alten Mann, und er fühlt sich noch so jung an, fast wie ein Knabe, Alter Knabe!” lacht sie und wendet sich endlich dem Cacao zu, der schon kalt ist. Ich bitte Dorit, ob sie uns neuen, warmen Cacao bringt.

„haben Sie da gar keine Haare?” – „ich mag diese Haare nicht, schneide sie meistens ab, ist schöner so,” – „das verstehe ich auch, tue ich ebenfalls, doch ein paar lasse ich stehen, als Blickfang sozusagen … ach, man kann mit Ihnen auch über alles reden, stimmt das? ganz leicht reden, als wenn man ein Brötchen aufschneidet, ist schon recht ungewohnt,” und sie kommt wieder auf meine Kleidung:

„irgendwo müssen Ihre Strumpfhalter ja anfangen, denke ich … bin ich zu neugierig? dann sagen Sie es, wenn es zu viel ist,” – „ich trage ein langes Unterhemd, und da sind innen Knöpfe, an denen die Strumpfbänder sind … Leibchen nannten wir das früher, und schon als Kind hatte ich Leibchen, aber kürzer, eher wie ein Jäckchen, auf dem Rücken zum zuknöpfen, aber die mochte ich nie, und da habe ich es nun so gemacht.”

”Tragen Sie das schon immer?” – „nein, erst seit ein paar Jahren, ich ändere dauernd meine Sitten, auch in der Kleidung,”- „was sagt denn Ihre Frau zu sowas? Haben Sie eine Frau?” – „nein, schon lange nicht mehr, wir haben uns gegenseitig verabschiedet, nach den 20 Jahren Ehe war es an der Zeit,” – „warum denn?” – „wir hatten uns am Ende gehemmt in der Entwicklung, jeder Mensch hat doch die Chance, sich weiter zu entwickeln, nicht wahr? Das kennen Sie doch auch, in Ihren jungen Jahren sind Sie doch gewiß schon durch allerlei durchgegangen …” – „ja, das stimmt, sehr vieles,” – „und da standen wir einander gegenseitig im Weg, und es war das beste, daß wir uns wieder trennten, wir hatten ja unsere gemeinsame Aufgabe abgeschlossen: zwei Kinder aufgezogen.”

Noch immer liegt sie fast auf meinem Schoß, und wir beide reden leise und langsam miteinander, sie hat noch immer ihre Hand unter meinen Röcken liegen, und ich muß mir gestehen: ein wenig habe ich doch dieses väterliche Gefühl, das rührt mich sehr an, dieses Gefühl wie Vater zu Tochter, so offen wie ich es nie zu meinen wirklichen Töchtern hatte.

„Darf ich mich ein wenig wie Ihr Kind fühlen, wie Ihre Tochter?” fragt sie da, „nur heute abend, ja? es ist so heimelig in Ihren Armen und in dieser gegenseitigen Zustimmung, ja: und Liebe, darf ich das sagen?”

Dorit kommt und fragt, ob wir etwas essen möchten — das Mädchen möchte etwas Süßes, „das passt zu unserer Stimmung,” und die Wirtin bietet uns einen Obstkuchen an, mit Schlagsahne, „und noch zwei Grandiosi, bitte, möchten Sie einen Likör?” frage ich, doch das wird ihr zuviel.

„meine Mutter ist auch eine sehr elegante Frau,” lacht sie, „ich habe ihr vieles abgesehen, doch sie kommt ja schon aus einer Zeit, als die Frauen nicht mehr so elegant waren wie vorher,” – „was haben Sie gesehen?” frage ich.

„wir haben zuhause viele alte Modezeitschriften, auch viel ältere aus den zwanziger Jahren oder so, da habe ich nicht mehr die Übersicht über die Jahre … Stunden lang habe ich über ihnen gesessen, schon als zehnjähriges Mädchen, und so habe ich mir meine eigene Einstellung zur Eleganz gebildet, zur weiblichen Eleganz … und ich habe bedauert, daß es für mich als Kind nichts Elegantes gab, immerhin hat mir meine Mutti einiges geschneidert, als ich immer wieder meine Wünsche äußerte, und mit zwölf hatte ich meine ersten Nylons — das war mir ein großes Fest, und bei einigen anderen Mädchen habe ich einige Sehnsüchte erregt, doch niemand besorgte ihnen, was dazu nötiig war, so blieb ich erstmal allein.”

Ich frage, „und nun? ich habe lange keine Frauen mehr gesehen, die wirklich elegante Strümpfe trugen, nur in einem Strumpfladen … immerhin gibt es sie noch.” – „nun?” sie schmunzelt genüßlich, „ja nun bewegt sich etwas — das ist zum Teil mein Fleiß, auch daß der Laden welche hat, ich habe einen kleinen Mädchen-Club zur Pflege der Feinstrümpfe gegründet, und der wächst gerade sehr schnell, und der Mann in dem Strumpfladen macht da voll mit und spürt noch auf, was es auf dem Markt gibt. Er ist alt und hat noch die große Zeit der eleganten Frauen erlebt und geliebt.”

„das ist eine große Kulturtat! eben: Große Frau!” — ich bin sehr froh, daß ich das noch erlebe! und sie lacht, ich bin dieser Großen Frau dankbar: sie hat sich zu mir gesetzt und ihr Füllhorn schöner Blumen über mir ausgeschüttet.

Später sagt sie, „nun muß ich wieder zu meinem Kind,” – „Kind?” frage ich, „ja, ich habe einen süßen Jungen, er ist fast vier, und mein Mann, oder Freund ist bei ihm. Na ja, wir sind nicht verheiratet im üblichen Sinn, doch wir sind eine Art Ehepaar, was man heute `spirituell´ nennt, wir haben eine spirituelle Ehe geschlossen,” ich frage:

„Sie sehen aber sehr jung aus,” – „ich glaube das macht, weil es mir schon immer gelungen ist, ganz in mir zu sein, wie man sagt, mich ganz anzuerkennen, auch in meiner Stille, in meiner Stille zu bleiben.” Ich frage,

„wie kommen Sie dazu?” – „es waren wohl meine Eltern, die sind auch so, und von denen habe ich gelernt, wenn ich mein ganzes Leben lang jung bleiben will, muß ich so sein — und das ist wirklich ein großer Genuß! Ja, ich bin schon 25, ich glaube, daß hat etwas mit den Lehren des Ostens zu tun, Buddha und so.”

Wie sie schließlich geht und ihre Windjacke schon angezogen hat, sagt sie noch, „und ich finde es sehr schön und lehrreich, Sie hier getroffen zu haben, ich möchte aber nicht, daß Sie mich suchen … ich möchte nicht, daß Sie nach mir suchen — am ehesten möchte ich es vielleicht noch offen halten, daß ich nach Ihnen suche, ich würde Dorit dann bitten, Ihnen eine Nachricht zu schicken, wenn ich will, und Sie können dann entscheiden, aber verlassen Sie sich nicht darauf, wahrscheinlich nicht, das Leben geht weiter, und im Laden und so begegnen wir uns so wie befreundete Leute, ja?”

Sie geht in die dunkle Nacht, ihre Windjacke und ihr schöner Rock fliegen im Regenwind auf, und ich bilde mir ein, daß ich noch kurz den dunkleren Rand ihrer Seidenstrümpfe sehe. Nun lasse ich mir von Dorit noch einen besonders wertvollen Wein einschenken, ich möchte dieses noch feiern, würdevoll, und Tränen stehen mir in den Augen.

von Aryaman Stefan Wellershaus
Ma.Aryafrau@gmx.de

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Mittwoch, 26. August 2009

 Ein Hamelner Junge im Kilt
           … vielleicht war es ein Rock?
Bild 1 
Schottischer Junge im Kilt, 
von R. R. McIan, etwa 1845. Clan Grant
Erinnerungen und Fiktionen
Schotten in Hameln — und dann ein Hamelner Junge in Schottland — Kilt oder Rock,
(1946)
eine Liste aller meine Blogs hier:

(von Aryaman)

Keine Bomben fielen mehr und zerstörten Häuser und Bahnanlagen, keine Bomberpulks flogen mehr über meine Stadt Hameln in Richtung auf eine Großstadt, keine Luftkämpfe zwischen feindlichen und deutschen Jagdflugzeugen mit Leuchtspurmunition waren mehr zu sehen, nachts war die Wolkendecke am Himmel nicht mehr rot vom brennenden Hannover oder Bielefeld, keine abgeschossenen Flugzeuge oder zerstörerische Bomben fielen mehr vom Himmel, es wurden keine ungenutzten Bomben mehr im Land verstreut — Notabwürfe, und die Bombentrichter auf den Äckern waren noch Jahrzehnte lang zu sehen, und wir Kinder suchten die scharfkantigen Bombensplitter in ihnen —, die feindlichen Flugzeuge verteilten keine leeren Benzinkanister oder silberne Staniolstreifen mehr über das Land, und keine toten Bomberpiloten wurden mehr aufgesammelt.

Dafür waren fremde Soldaten in der Stadt und große Mengen von Flüchtlingen aus Ostpreussen und Oberschlesien, und heimgekehrte und besiegte und verwundete deutsche Soldaten in Lumpen . . . alles in Lumpen und mit kleinstem Gepäck, Reste einer geschlagenen Armee in Lumpen, mit Armkrücken humpelten manche über den Not-Steg neben der gesprengten Weserbrücke, Hühnerleiter runter, Hühnerleiter rauf, wieder runter und rauf an die andere Seite, die rennenden Kinder anfluchend „ihr reißt einem ja noch die Krücken unter dem Arsch weg“ . . . , was uns amüsierte und erschreckte.

Und die Brücke über die Weser, erst vor 20 Jahren erbaut und sehr modern im Stil, die ja noch in den letzten Kriegstagen von unseren Leuten gesprengt worden war, wurde bald durch eine seitwärts gebogene hölzerne Notbrücke ersetzt, über die zuerst nur die Wagen der Besatzer fahren durften. Auf dem Werder rauchten erst noch die Trümmer der riesigen Kampfmeierschen „Wesermühle“ — und die Stadt war verstaubt und verdreckt und voller Leute, die nicht zu uns gehörten. Auch wurden Kriegsverbrecher im Zuchthaus gehenkt, was die Hamelner sehr erregte und verletzte, doch nun lag die Macht ja bei anderen. –

Doch danach wurde das Leben für mich schön!
 Bild 2
So sah der westliche Arm der Weserbrücke im Sommer 1945 aus, 
gesprengt, zusammengebrochen! Der zweite Not-Steg ist links zu sehen, 
der erste war vorher rechts. Hinten links die Ruine der Mühle. 
In der Mitte hinten das Münster. Gezeichnet nach einem Foto von 
Dr. Karl R. Berger, in einer Hamelner Zeitung vom 5. April 1975.

Mein Vater war noch in Gefangenschaft — wie wir erst später hörten, war er im Allgäu bei den Amerikanern.

Auch bei uns waren die Amerikaner mit ihren Jeeps, die sie anstatt sie zu waschen mit einer neuen Schicht Farbe besprühten, jedenfalls war das unser Eindruck. Die Amis, wie sie genannt wurden, waren grau-grün in ihren Farben, ähnlich wie unsere „Landser“, doch ganz anders im Uniformschnitt und allem, was das Soldatische ausmachte, ja sie rochen auch ganz anders. Und alles, was sie hatten, auch die Unterwäsche und die Taschentücher und die Feuerzeuge (auch die Zigaretten und das Schreibpapier?) war in grüner Tarnfarbe.

So war der Jargon wie wir uns damals ausdrückten, um über das Geschehen zu sprechen.

Dann marschierten ganz andere Leute durch die Osterstraße in der Stadt: mit eigenartigem, näselnden Flöten-Spiel ein Regiment bunter Soldaten in roten Röcken, es waren Schotten mit Dudelsäcken und gekleidet im Rock, das ist die Regiments-Uniform, ein Männer-Rock, wie ich hörte. Ich war da 12 bis 13 und begeistert von dieser Kleidung. Das herbe Soldatische war etwas gemildert, diese Soldaten sehen einfach frischer aus als die Amis oder vorher die deutschen „Landser“, zu denen auch mein Vater gehört.

Ja, die Schotten und ihre Röcke. Schon seit ein paar Jahren, mit 9 oder 10 hätte ich lieber einen Rock anstatt Hosen getragen, doch damals hätte ein Junge das nicht laut sagen dürfen — ein Junge im Rock! Und nun aber diese Leute, und ich konnte mich nicht satt sehen an den Schotten, wie bunt dieser Rock war, und wie er beim Gehen umherschwang. Meine Eltern hatten ein paar illustrierte Bücher mit kulturellen Nachrichten aus aller Welt. Und da hatte ich schon bevor ich diese Schotten leiblich sah, alte Bilder von schottischen Männern im Schottenrock gesehen. Und besonders berührte mich das Bild eines schottischen Jungen in dem Buch, der einen „Kilt“, wie sie ihren Rock nannten, trug — es war wie ein Märchen aus einer anderen Zeit (seht das Bild ganzn oben). Es war also erlaubt: Jungen und Männer dürfen einen Rock tragen! Eine alte Sehnsucht in meiner Seele nimmt Formen an.

Ich vermute heute, daß es sich um einen Jahresband der Zürcher Zeitschrift Atlantis aus den 30er Jahren handelte.

Und dann diese Bemerkungen der Frauen: was tragen die wohl unter ihrem Rock, etwa garnichts? Als ob irgendjemand fragen würde, was sie, die Frauen unter ihren Röcken tragen. Doch selbst mich reizte diese Frage, und ich bekam schnell eine klare Antwort, wenigstens für einen der Soldaten: zwei von ihnen sitzen auf der Rückwand eines vorbeifahrenden Militär-Lasters, und ihre Kilts hängen hinten über die Bordwand des Lasters herunter, in tausend Falten gefältet. Einer der beiden hebt seinen Kilt und kratzt sich an der Pobacke, und da sehe ich es: er ist nackt unter seinem Kilt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das ist schon richtig so, wozu sonst tragen die einen Rock? Und trotz aufkommender Scham war DAS der Sinn des Kilts, auch für mich.

 Bild 3
Soldaten auf einem Militär-Laster, 1946 in Hameln gesehen.

Damit beginnt das Märchen, wie ich es mir als Junge gewünscht hatte, vielleicht ein Traum? — doch leider traf es nie zu. Nun das Märchen:

In jenen Monaten kommt an einem Tag ein Mann zu uns, ebenfalls in einen bunten Kilt gekleidet, zu uns in unser Haus und will meine Eltern sprechen, er ist einer der Soldaten, ein Offizier. So, so, Ihr Mann ist noch in Gefangenschaft, aber meine Mutter spricht mit ihm. Sie spricht ja englisch, und so geht es, und obwohl ich schon drei Jahre englisch in der Schule hatte, kann ich nur wenig verstehen. Meine Mutter ist sehr verlegen und erklärt mir, daß Mister Agnew (gespochen Äg-Nju) behauptet, eigentlich sei ich SEIN Sohn, und nur durch ein Versehen sei ich als ganz kleines Kind in diese Familie gekommen als seine Frau in Hamburg mit ihrem Neugeborenen im Krankenhaus lag. Und es hätte eine Verwechslung gegeben. Meine Mutter muß zugeben, daß das möglich ist.

Ach nein, so wird das Märchen zu schwierig, obwohl es ein Körnchen meiner Wünsche in sich hat. Ich muß es anders beginnen, nicht so dramatisch, denn ich wäre nicht gerne in eine andere Familie umgezogen, hätte nicht gerne meine Familie verlassen, nicht in dem kindlichen Alter, bestimmt nicht. Also so:

Beim Spielen auf der Straße lerne ich ein paar Kinder kennen, die zu einer schottischen Familie gehören, die in einem der deutschen Häuser wohnen, das das Militär beschlagnahmt hatte, wie man sagte, für Offiziers-Familien. Ja, und diese Jungen tragen einen Kilt. Natürlich habe ich diese Begegnung herbeigefördert wegen meinens Sehnens. Ich darf ab und zu diese Familie Agnew besuchen, und es entsteht eine Offenheit und Freundschaft mit mir, auch zu meiner Mutter, die über den Schatten ihres Nationalstolzes springen kann, denn „die Schotten sind ja nicht unsere richtigen Feinde, sie sind ja auch von den Engländern erobert und besetzt worden,“ erklärt sie. Und, worum es mir ja geht: die zwei Jungen dieser Familie tragen fast immer ihren Kilt. Sehr verlegen bin ich, wie ich einmal frage, ob ich auch mal einen Kilt tragen darf, und ihre Mutter holt mir einen Kilt von ihren Söhnen und hilft mir, ihn anzuziehen, was ganz anders ist als die Röcke, die ich an meinen Schwestern sehe aber nie selbst versucht habe.

Die Freundschaft zwischen unseren Familien vertieft sich, und auch mein Vater, als er aus der Gefangenschaft zurückkehrt, hat nichts dagegen: „Feinde? das war einmal, nun ist der Krieg vorbei.“ Und dann kommt es: ich werde eingeladen, für die Sommerferien mit der Familie in ihre schottischen Berge zu reisen, mit einem Militär-Schiff von Cuxhaven nach Dundee.

Sie leihen mir einen Kilt, doch ich traue mich nicht, ihn öffentlich in meiner Stadt zu tragen. Die Angst ist zu groß, als Mädchen verspottet zu werden — aber wieso ist da diese Angst? einfach, weil sie vorher schon geschürt wurde: ein Junge darf nie wie ein Mädchen aussehen, obwohl Mädchen schon mal wie Jungen aussehen dürfen, da ist keine Angst. Ich bekomme nun also einen Kilt geliehen.

An junge Leute wird ein Kilt lieber verliehen als fest vergeben, weil ein Junge so schnell hinauswächst und dann kann der Kilt weiter gegeben werden, Kilte sind sehr teuer und es wäre schade, wenn sie im Schrank herumliegen würden.

Viel packen wir mir nicht in den kleinen Koffer, der Kilt ist das dickste Kleidungsstück, ja und ein Pullover. Und ein Tagebuch (aus dem ich diese Geschichte schreibe) und weiße Unterwäsche und Strümpfe, Nähzeug und sowas. Und natürlich ein kleines Wörterbuch englisch-deutsch von einer der Englandreisen meiner Mutter, vor dem Krieg.

Obwohl es Sommer ist, denken wir, daß es auf der Nordsee kalt und windig sein könnte, also nehme ich einen dicken Mantel mit und eine gute Mütze und ziehe unter die kurzen Sommer-Hosen lange Strümpfe an, und dicke Socken und schwere Wander-Schuhe, denn ins Gebirge sollte ich keine Sandalen mitnehmen. Und meine Beine sind empfindlich gegen Kälte, denke ich.

Mit einem großen Militärbus fahren wir nach Cuxhaven, die ganze Familie des Offiziers und andere Familien und viele Soldaten, ich bin fast der einzige, der nicht im Kilt reist, aber alle Soldaten und fast alle Jungen. Wie das so ist, beginne ich mich schon zu schämen, daß ich Hosen anhabe und den Kilt noch nicht annehmen kann.

Wie wir in Cuxhaven die Gangway zum Schiff hochgehen, bin ich froh, keinen Rock anzuhaben, denn der Wind weht den anderen die umfangreichen Rockfalten hoch, und ich denke, da muß es ihnen ja recht kalt sein. Aber jeder weiß, wie er den Kilt runterhält, wie die Frauen und Mädchen es ja auch tun — nur ich habe keinen Grund zu dieser typischen Gebärde.

Meine erste Seereise! Und obwohl die Sonne scheint, ist es auf der Nordsee herbe, der Wind ist kühl, manchmal kalt. Etwas schaudert es mich vor diesem großen Eisen-Ding, dem Dampfer mit dem dicken schwarzen und stinkenden Rauch während der ganzen Reise. Auf dem Schiff bin ich nun ganz unter Schotten, einige Engländer sind auch dabei, die ich daran erkenne, daß sie Hosen tragen — alles in dieser typisch britischen gelblich-grünen Uniformfarbe, selbst manche Soldatinnen im Kostüm in dieser Farbe. Und nun nehme ich mir auch meinen Kilt, besser, ich lasse mir von meinen Freunden helfen, denn es ist eine besondere Kunst, ihn richtig anzuziehen.

Trotz der Erfahrung mit dem jungen Soldaten auf dem Lastwagen behalte ich meine Unterhosen an und sehe, auch die anderen Jungen tragen etwas ähnliches: flaschengrüne „bloomers“, wie sie sagen. Meine eigenen weißen, flatterigen Unterhosen sind mir zu auffällig und ich lasse mir später solche „bloomers“ geben, das sind 1/4-Schenkel-lange, sehr weite, bauschige Schlüpfer, die unten mit einem Gummiband um die Schenkel liegen. Sie werden bei uns nur von Mädchen getragen, zum Beispiel von meinen Schwestern, und ich finde sie häßlich an deren Beinen. Doch so ernst nehme ich das nun nicht, die Jungen hier tragen sie ja alle, die Mädchen auch. Dennoch mag ich es nicht, wenn sie zu sehen sind, wenn ich sitze und der Kilt etwas hoch rutscht, oder wenn der Seewind ihn hochweht. Ich glaube, wenn wir Jungen diese bauschigen „bloomers“ unterm Rock tragen, sehen wir etwas breiter aus, nicht so dünn und schmal wenn nur der Kilt unseren Unterleib umhüllt.

Bild 4
Die Einfahrt zum Firth of Tay, Dundee, von der Nordsee aus. Zwei junge Soldaten auf Heimaturlaub und Jacky und ich. Mr. Agnew fotografiert und bittet mich, den Kilt ein wenig zu heben, um die dunkelbraunen, langen Strümpfe zu zeigen, die so ungewohnt für die Schotten sind. Für das Foto habe ich über die langen Strümpfe die guten schottischen Wollkniestrümpfe gezogen. Die anderen tragen aber einfache Kniestrümpfe wie sie zur soldatischen Uniform gehören. Es ist ziemlich windig, und einige Kilts flattern. Ich weiß nichts über die Bedeutung der beiden Käppis, außer daß sie schön sind. Mein Kilt ist orange mit Rot und schwarzen Karostreifen, die anderen Kilte sind rot und weiß mit schwarzen Streifen*). Meine Jacke ist dunkelgrün, die Jacken der anderen sind gelblich-grün und gehören zur ihrer Uniform.

*) in Wirklichkeit weiß ich nicht, welchen Tartan die britischen Soldaten
in Hameln trugen, wer weiß es? Welches Regiment war es?
Kommandeur war Colonel Riddle, der vor einigen Jahren
gestorben ist. Mein Bruder hatte noch lange Kontakt mit ihm.

Gelassen stehen die Leute an der Reeling, und es ist ein märchenartiges Bild, wie ihre bunten Kilte umherflattern — flattert meiner auch so? Alle Jungen und Männer scheinen ihre Knie so richtig zu zeigen, ihre dünnen dunkelgrünen oder dicken weißen, gestrickten Wollstrümpfe lassen die Knie frei, und der Kilt auch. Das ist mir zu nackt, also behalte ich auch auf dem Schiff meine langen Baumwoll-Strümpfe an. Es wundert mich, daß sie zum Kilt nie welche tragen, und das habe ich später auch an Land nie gesehen. Ich bin da eine Ausnahme, denn ich liebe meine Strümpfe und rolle sie nur runter, wenn ich schon fast schwitze, was im schottischen Hochland selten ist. Und über die langen Strümpfe ziehe ich manchmal noch die schottischen Kniestrümpfe — wie ihr es auf dem Bild sehen könnt.

Obwohl ihre Kilte so bunt sind, ist die Kleidung der Leute sonst sehr eintönig und fast trübe dunkel: in den Militärblusen oder -hemden, die alle diesen gelblich-grünen Ton haben.

Im Hafen von Dundee steigen wir wieder in einen Militärbus, der uns zum Bahnhof bringt. Nun ist es schon ein großes Gefühl im Kilt zu gehen, ein weites Gefühl, weniger eingeengt als in Hosen, auch und besonders, weil er so bunt ist und weil alle Jungen in unserer Gruppe einen tragen. Sonst sehe ich selten einen im Kilt auf den Straßen. Und es ist etwas Leichtes in so einem Rock, mir fällt das Wort „lebendig“ ein. Es ist gemütlich in ihm, besonders in meinem, der auch die Knie bedeckt und warm hält, und den ich um die Knie wickeln kann. Es fühlt sich darin an wie in einem warmen Zimmer.

Im Zug ins Land rein, nach Perth, ich setze ich mich an ein linkes Fenster und sehe zuerst auf das Wasser des „Firth of Tay“, ein Meeresarm, und bewundere die Brücke über den Tay, eine hohe und lange Eisenbahnbrücke. Später kann ich zwei Ansichtskarten kaufen, auf denen ich genau neben der Brücke kurze, alte Pfeiler stehen sehe, nur noch Stümpfe, die eben aus dem Wasser ragen, mit ein paar Vögeln draufsitzend — hier stand mal eine ältere Brücke, und ich schicke eine von den Karten an meinen geliebten Englisch-Lehrer Dr. Schnaar, ja Friedrich Schnaar heißt er. Wie ich nach den Ferien in Hameln wieder zur Schule gehe, erzählt er mir, daß der Dichter Theodor Fontane (der ja viel in Schottland lebte) über diese ältere Brücke ein Gedicht geschrieben hat, in dem er ihren Einsturz im Sturm beschreibt, und wir lesen es zusammen in der Klasse und ich muß von meinen Erlebnissen erzählen und morgen soll ich meinen Kilt tragen (den ich noch nicht wieder abgeben musste, und in dem ich nun keine Scham mehr hatte). Dr. Schnaar war begeistert diese Karte zu bekommen, denn er war noch nie auf den britischen Inseln gewesen, und so gestaltete er eine ganze Unterrichtsstunde zu Schottland und allem. Doch zurück zur Reise in die Berge:

Im Bahnhof des Städtchens Perth verteilen wir uns, und ich reise weiter mit meiner Familie Agnew nach Norden in die Highlands in die Nähe des großen und kahlen Schehallion-Berges, wo die Agnews ein Haus besitzen, ganz auf dem Lande und hoch am Berghang und mit einem weiten Blick über das Loch Tummle, einer dieser langen Seen, in denen Ungeheuer vorkommen sollen. Das Haus steht mit wenigen anderen sehr einsam, es ist grau, wie auch das Steindach. Hier ist kein Wald, nur wilde Heide, auf der Schafe und absonderliche Kühe grasen und auch Hirsche und Schneehühner vorkommen sollen. Die Schafe und Kühe werden von den jungen Leuten, auch von Kindern gehütet, und schon am nächsten Tag gehe ich mit raus.

Von der Bushaltestelle müssen wir noch 2 Sunden durch diese wilde Gegend bis zum Haus gehen, es ist sehr mühsam, auch weil der Weg sehr steinig ist, und immer wieder stolpere und rutsche ich hin, und ich bin froh, daß ich kräftige Schuhe mithabe. Leider reiße ich mir am Knie ein Loch in einen Strumpf, und abends muß ich stopfen, was meine Mutti mir noch als Reiseübung beigebracht hatte, aber es ist richtig romantisch, mit den anderen am brennenden Kaminfeuer zu sitzen und Strümpfe zu stopfen. Sehr glücklich bin ich, hier zu sein. In dem Haus ist es kalt und feucht, und Frau Agnew hatte schon bald in dem Kamin ein großes Feuer gemacht, das nun die ganzen Ferien über brennt, mit Holz und mit Kohlen. Die stinken etwas, fast wie der Dampfer. Neben den Wegen haben sie Steinwälle, hinter denen die Schafe leben, mal eine Herde mit schwarzen Gesichtern, mal eine mit weißen Gesichtern.

Bild 5
Die schottischen Gebirgskühe und ein Hütejunge bei Regen, 
Sturm und Nebel, und es ist gerade recht kalt.

Und diese Kühe! Ich denke, die sind von einem anderen Stern: ihr beiges Haar hängt ihnen über die Augen, sie haben wirklich sehr lange Hörner, doch Angst hat man vor ihnen nicht, denn sie sind lieb und zahm und klein.

Ab und zu kommt ein Schafhirte heran und begrüßt uns, und diese Jungens tragen alle Kilte, schön bunt und auch unterschiedlich in den Farben, und ich sehe sie schon von weitem an dem grellen Rot oder Blau oder Grün. Sie rufen fröhlich herüber, „nice weather today,“ obwohl es gerade regnet und ihre Gesichter und Beine glänzend naß sind und die Haare triefend im Gesicht hängen. Ja regnet und stürmt, und dazu Nebel, und ich freue mich über meinen dicken Mantel und über den dick-wollenen Kilt, der zwar um die Knie weht und die frische Luft unten an den Leib lässt, aber er wird nie wirklich naß, und das bißchen Nässe, das reingesaugt wird, trocknet sofort wieder. Die Schäfer tragen gegen Regen und Wind eine dicke Wolljacke, manchmal recht kurz, meine ich, und an den Beinen und Füßen nichts, die müssen ganz schön abgehärtet sein.

Und dieses Haus: es ist nicht verputzt, auch innen nicht, und ich komme mir vor wie in einer Höhle im Felsen, und der große Raum in der Mitte ist recht dunkel, aber elektrisches Licht haben sie nicht, nur mal eine Kerze oder eine Petroleumlampe, die stinkt, und das Fenster ist klein. Mit den beiden anderen Jungen Jacky und Mike wohne ich in einer kleinen Kammer unter dem Dach, und ein Rauchrohr vom Kamin her erwärmt es etwas. Zwischen die Steine auf dem Dach haben sie Moos gestopft, das den Wind abhält.

Die beiden hatten sich schon vorher gewundert über meine langen Strümpfe, und wie ich mich ausziehe, wollen sie die Strumpfhalter sehen und das Leibchen und alles, an dem sie festgeknöpft sind. Wir setzen uns nebeneinander auf ein Bett, und ich ziehe meinen Kilt hoch, damit sie alles sehen können. Sie finden diese Kleidung so eigenartig wie unsere Leute in Hameln es eigenartig finden, daß Jungen Röcke tragen.

Am nächsten Tag holen sie sich ihre alten Kilte aus einer Truhe, schon etwas verschlissen und etwas zu kurz, denn die Kilte von gestern sind die Sonntags-Kilte, sage ich mal. Eigentlich sind es die Kilte in dem Muster, das zum ganzen Regiment ihres Vaters gehört. Doch die hier holen sie sich für die Ferien raus, in den Ferien nämlich tragen die Jungen und der Vater ihre Familie-Agnew-Kilte, die blau und grün kariert sind mit roten Streifen, ein wenig düster im Ausdruck. Nun ziehen sie auch diese bloomers nicht mehr an, und ich mag sie auch nicht und komme wieder auf meine deutschen weißen Unterhosen zurück. Doch nach zwei Tagen ziehe ich auch die nicht mehr an sondern habe nichts mehr drunter, wie die anderen auch — und wie jener Soldat auf dem Lastwagen. Und nun erst fühle ich mich richtig wohl in meinem knielangen Kilt (eigentlich ist er etwas zu groß) und wohlig eingewickelt wie in eine warme Wolldecke und schon ein wenig schottisch. Und sie gehen barfuß, was für mich schwierig ist, denn alles ist so steinig, und meine Knie frieren und ich behalte erstmal die dicken Wanderschuhe und die langen Strümpfe und ein langes, warmes Unterhemd an — und meinen wollenen Rollkragenpullover.

Die Stimmung mit den Agnew-Kindern ist hier ganz anders als in Hameln auf der Gaußstraße, wo sie wohnen. Sie stehen früh auf und stürmen erstmal nach draußen, auch wenn es regnet. Später erst kommt das Frühstück.
Einige Tage später kommt eine Familie aus dem südschottischen Flachland zu Besuch, aus den Lowlands. Und nun entdecke ich etwas über Sprachen, denn unter einander sprechen die eine Sprache, die ist nicht englisch sondern ähnelt eher dem Deutschen, und ich verstehe ab und zu etwas, jedenfalls besser als englisch.

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Der Schehallion-Berg und die Sommerhütte der Agnews.

Und dann erklären sie mir noch was über die alte schottische Sprache, die sie gälisch nennen, aber nur noch wenige Leute können sie richtig sprechen, sagen sie. Und, obwohl diese Leute aus den Lowlands sich auch als Schotten verstehen, tragen sie keine Kilte. — Übrigens, wie verständige ich mich eigentlich? Herr Agnew und seine Frau können einigermaßen deutsch sprechen, und das reicht dann, doch ich versuche auch, mein Englisch zu verbessern, was sehr viel bringt, wie Dr. Schnaar mir nach den Ferien bestätigt, obwohl ihm meine neue (schottische) Aussprache nicht so gut gefällt. Doch ich verstehe nicht, was er damit meint.

Hier aber begeistere ich mich immer mehr am Kilt. Er ist DAS Kleidungsstück für mich. Er IST ein Rock, wenn auch die Schotten sagen, daß ein Kilt kein Rock sei, aber ich glaube, das sagen sie nur, um sich von den Frauen zu unterscheiden, sie haben etwas Scham davor, sich wie eine Frau zu kleiden. Ich denke aber, das ist alles nur eine Spielerei. Mein Kilt ist orange, und sie sagen er ist aus Ulster, was eigentlich zu Irland gehört, also nicht schottisch ist. Dabei lerne ich, daß der Kilt auch in Irland und sogar in Wales getragen wird, aber seltener als hier. Meiner ist sehr lebendig in seinem strahlenden Orange mit ein paar schmalen, schwarzen und roten Karostrichen drauf. Ja, Irland und so: bevor ich losreiste, hat meine Mutter mir extra Erdkundeunterricht gegeben, wir sind die Karte von Groß Britannien durchgegangen, die unter einer Glasscheibe oben auf einer kleinen Truhe angebracht ist, sehr alt und sehr wertvoll, aber immer noch alles richtig, sagt sie.

Hier in Schottland tragen alle Jungen zur Schule kurze Hosen, aber in den Ferien und bei Festen gilt für viele nur ihr Kilt, auch für die Agnew-Jungen, und für den Vater natürlich auch. Ach ja, und in Hameln tragen sie den Kilt, um sich von den deutschen Jungen zu unterscheiden, allerdings in dem roten und weißen Tartan des Regiments. Auch jede Familie hat ein eigenes Muster, alles Karo-Muster, Tartan genannt. Da ich keiner dieser Familien angehöre, ist es egal, was ich trage, und wenn ich aussuchen könnte, würde ich den Tartan dieses Landstriches hier wählen, er ist in strahlenden, grünen und blauen Farben, mit noch einem dünnen, roten Strich drin, er wird hier in der Gegend viel getragen, heißt Grampian wie eben diese Gegend — soweit man überhaupt sagen kann, daß Kilte hier „viel“ getragen werden, eher selten, eben fast nur auf Festen und in den Ferien, wenn sie auf dem Lande leben. Er ist heller als der Tartan der Agnews, er strahlt sogar. Doch ich bekam ja diesen Kilt mit den orangen Farbtönen, den ich an mir sehr mag, er steht mir, denke ich, und ich mag gar nichts anderes mehr anziehen. Er passt auch zu den erd-braunen Strümpfen und dem hellgrauen Pullover.

Mr. Agnew macht Fotos — auch schon auf dem Schiff —, und so bekam ich einige Bilder, doch für diesen Bericht habe ich sechs Bilder neu gezeichnet, weil ich gerne zeichne und weil ich Einzelheiten reinbringen oder weglassen kann, anders als im Foto. Ihr seht, die Röcke und Kleider der Mädchen sind länger als die Kilte der Jungen. Auch tragen sie meistens schwarze, lange Strümpfe, die Jungen nie — mit meiner Ausnahme. Wenn es warm ist, lassen aber alle die Strümpfe und Schuhe weg, nur nicht in der Schule oder wenn sie in die Stadt fahren.

Bild 7
Zwei Mädchen und zwei Jungen vom Dorf, Mike zeigt uns
seine „bloomers“; ganz hinten stehe ich, 
ausnahmsweise mit nackten Beinen.

Einmal bekomme ich — zur Erinnerung sagen sie — ein besonderes Buch geschenkt, Wee Gillis. Es erzählt mit hübschen Zeichnungen die Geschichte eines Jungen, der sich entscheiden muß, ob er zu den Schotten im Gebirge oder in den Lowlands gehören will, schließlich ist sein Weg, daß er immer hin- und herwandert, beim Kilt bleibt und den Dudelsack für alle spielt, als umherziehender Musiker.

Manches ist in dem Buch so gezeichnet wie ich es auch gesehen habe. Zum Beispiel die Häuschen und die Schafsweiden und diese niedlichen Kühe. Und zum Beispiel das Frühstück: eine Schale mit Hafergrütze und Schafsmilch, und einmal habe ich mir eine Schale voll auf meinen Kilt geschüttet, und ihr werdet euch wundern: nichts blieb auf dem Kilt zurück, denn schnell sprang ich auf und schüttelte die Milchtropfen vom Stoff und . . . er war sauber wie vorher. Diese Schafwollstoffe sind doch was wunderbares — dafür ist es auch viel Arbeit, die Schafe zu hüten, zu scheren, die Wolle zu bearbeiten, zu färben, zu spinnen und am Ende die Stoffbahnen und den Kilt zu machen. Alles wird zuhause oder in kleinen Werkstätten gemacht. Und deswegen sind die Kilte so teuer.

Was ist denn eigentlich ein Kilt genau? Das ist ein Wickelrock, der aus einer Stoffbahn von 6 m Länge besteht, wenn er für Erwachsene ist, doch für Jungen ist die Bahn natürlich kürzer, Mädchen tragen ja keine, sie tragen Röcke wie bei uns auch. Die Breite der Bahn ist so, daß der fertig gewickelte Kilt eben oberhalb des Knies endet — es ist ein Stolz der echten schottischen Männer und Jungen, daß die Knie für alle sichtbar sind, vielleicht tragen sie deswegen keine langen Strümpfe, obwohl es im Winter doch recht kalt sein muß. Ich habe hier ein Buch gesehen, das heißt „Red Legs“, von einem Jungen, der so arm ist, daß er sich im Winter keine langen Hosen leisten kann und dessen nackte Beine, die sich aus dem alten und schon zu kurzen Kilt herausstrecken, immer rot vor Kälte sind, daher sein Name.

— Und ihre Knie betonen diese Schotten noch mit den wollenen Kniestrümpfen, die auf den Waden zu einer dicken Wurst umgeschlagen werden. Bei warmem Wetter ziehe ich meinen Kilt etwas hoch, damit meine Knie auch zu sehen sind, denn eigentlich reicht er zu weit runter, und rolle meine langen Strümpfe zusammen bis unter die Knie, das sieht dann schottischer aus.

Die Stoffbahn für den Kilt ist in der Mitte in viele Falten gelegt, doch an den beiden Enden ist sie ohne Falten. Die Falten sind am oberen Handbreit festgenäht und der gefältelte Teil kommt nach hinten. Dieser obere Rand ist mit einem breiten Stück Stoff umnäht und sieht wie eine Art Binde aus, ohne Falten. Man beginnt mit dem Wickeln auf der linken Hüfte, dann vorne, rechts und hinten herum wieder zur linken Hüfte, weiter bis vor den Bauch bis die Bahn schließlich an der rechten Hüfte endet. Dort ist der Kilt also offen, er ist nicht zugenäht wie Röcke sonst, also ein Wickelrock.

Das alles bringt es mit sich, daß der fertig gewickelte Kilt über dem Po von der einen zur anderen Hüfte aus lauter Falten besteht. Doch vorne ist er platt. Der Kilt wird rechts durch zwei seitliche Schnallen und rundherum durch einen Gürtel gehalten. Die Stoffbahn ist unten und an den Seiten nicht gesäumt, und sie franst aus, was für Deutsche vielleicht unordentlich aussieht. Doch mir kommt es vor, daß nicht nur der Rock sondern auch der Stoff nach unten offen ist — und das gibt mir ein Gefühl, nach dem ich mich sehne soweit ich mich erinnern kann: der Erde nahe, offen für die Begegnung mit der Erde, so sage ich das heute.

Spätere Kommentare:

Dort, wo der Gürtel ist, ist eine Art Trennung zwischen unten und oben, und ob das seelisch so gesund ist, weiß ich noch nicht. Später habe ich die Idee — und auch mal die Erfahrung —, daß dieses eine Trennung zwischen meiner Bindung mit der Erde und meinem Denken und Wissen im Kopf ist. Das Vollständigste wäre es, wenn beide ineinander übergingen, ohne diese Trennung, ohne Gürtel, in einem langen Kleidungsstück. Und dazu wäre eine Art Kleid mit Kapuze, also eine Mönchs-Kutte das beste. Doch das kann ich einem Kind nicht empfehlen, das wäre zu viel Hinwendung auf solcherart Vorstellungen. Und das Leben eines Kindes ist fröhlicher und lebendiger.

Wenn ich in einer Kutte — ich hatte nie eine — die Kapuze über meinen Kopf ziehen würde, dann öffne ich mich der Erde und den tiefen Gefühlen. Und ich öffne mich dem Himmel und dem Denken und Wissen, wenn ich sie absetze. Das erste ist eher weiblich, das zweite eher männlich. Am Ende ist beides in mir und ich liebe es, in beidem zu leben.

Weil der Kilt so viele Falten hat, kann er weit umherwehen wenn der Wind ihn hebt oder ich tanze. Das Umherwehen mag ich, dann kommt kühle Luft an meinen Körper und die anderen können sehen, was ich unter dem Kilt trage — wie das bei den Mädchen bei uns ja auch ist. Und meine Strumpfhalter werden manchmal auch sichtbar. Die Frauen mögen ja nicht gerne, wenn ihre Halter von den anderen gesehen werden, aber mir macht es Spaß — bin ja auch keine Frau . . .

— und wenn ich heute — nach Jahrzehnten — diese Fotos von mir sehe, finde ich das sogar süß.

Auch sonst ist ein Kilt sehr bequem, weil es geräumig ist in ihm. Fahrradfahren müsste auch gehen, doch das habe ich nie gesehen, doch bei uns zuhause fahren Frauen und Mädchen ja auch im Rock Rad. Und wenn sie richtig sein sollen, sind die Kilte bunt kariert, nach einem Tartan, das heißt nach einem Muster, das zu einer Gruppe von Familien gehört, Clan genannt, oder auch zu einer Landschaft — mein geliehener orange Kilt gehört ja zur Landschaft Ulster, doch sonst habe ich mit dieser Landschaft nichts zu tun — oder er gehört zu einem Soldaten-Regiment. Ach, das habe ich ja schon geschrieben.

Absonderlich ist auch, daß die Schotten nicht ein Wappen-Tier haben wie wir den Adler, sondern eine Wappen-Pflanze, und dazu eine recht stachelige: die stacheligste Distel, die ich mir denken kann. Überall haben sie sie abgebildet. Und das soll so gekommen sein, hat Frau Agnew mir erzählt:

Vor hunderten von Jahren haben mal Wikinger aus Norwegen eine schottische Soldatenschar angegriffen. Es war Nacht und Neumond, und die Schotten schliefen und die Wikinger dachten, so ist das Anschleichen am einfachsten. Rund um das Lager wuchsen aber diese Disteln, und als die Wikinger mit ihren nackten Füßen in das Distelfeld kamen, schrien sie vor Schmerz auf, und der Angriff konnte abgeschlagen werden, und die Schotten verfolgten die Wikinger bis zu ihren Schiffen, so daß die Wikinger erstmal das Land verlassen mußten. Zum Dank wurde die Distel zur Wappen-Pflanze erkoren.

Von einem dumpfen Knall wache ich auf, schade, dieser schöne Traum ist so plötzlich zuende. Was war das denn, dieser Knall? Neben mir liegt ein Buch und meine Mutti steht da und schreit „aua, ich habe mich gestoßen“. Und sie lacht dann und sagt, „sieh mal, was ich für dich erstanden habe, ein altes Buch, wo du doch so für Schottland schwärmst“.

Schnell setze ich mich hin und nehme das Buch in die Hand: es ist das Buch, das die Agnews mir im Traum geschenkt haben, wie ist das möglich?

„Wee Gillis“ von Munro Leaf und Robert Lawson. Es ist nach so vielen Jahrzehnten noch immer bei mir, und wenn ihr da mal reinschaut, könnt ihr die Lowlander und die Highlander sehen, wie sie leben, lebten in alter Zeit, ich weiß nicht, ob es noch heute so ist, heute im Jahre 2005. — Die schottischen Soldaten haben Hameln nach etwa zwei Jahren wieder verlassen. Später habe ich Schottland nur einmal kurz besucht und niemanden getroffen, die oder den ich kannte — wie sollte auch, da alles nur ein Traum war. Doch auf dieser Reise 1978 habe ich ein paar Fotos gemacht, und einiges in diesem Traum habe ich dort wirklich gesehen. Doch meine Träume über Schottland kommen von meiner uralten Vorliebe für Kilte und für farbige Kleidung. Und heute trage ich nur Röcke, viele mit schottischen Tartans, doch da meine Beine wegen einer alten Krankheit Bedeckung brauchen, reichen meine Röcke alle bis in die Mitte der Waden oder tiefer, und die Sitte mit den langen Strümpfen habe ich deswegen auch beibehalten, im Winter bunte aus Wolle, selbst gestrickt.

Dann nähte mir eine Freundin, Carry heißt sie, vollendete Röcke, die eine gewisse Ähnlichkeit mit echten Kilts haben — danke Dir! Dazu kaufe ich mir echte Tartans, unter anderem Buchanan, Flower of Scotland, Dawn (IR) …

Im September 2007 traf ich einen schottisch-deutschen Jungen, Samuel, der sah sofort, daß der Rock, den ich gerade trug, vom Tartan Buchanan ist, aber er sprach das Bjukännen aus, und sein Vater (und damit Samu auch) sei aus diesem Clan – das fand ich sehr schön, danke Samu. Nun ist die Familie nach Thüringen gezogen.

Im Jahre 1845 wurde von James Logan ein Buch veröffentlicht mir vielen bunten Bildern von Schotten im Kilt in Clan-Tartans, die Robert Ronald McIan entworfen hatte. Es heißt „The Clans of the Scottish Highlands“. Ihr könnt die einzelnen Bilder sehen in der Internet-Seite http://www.the-clann.co.uk/book/additions/mcian.htm . 100 Jahre später, 1948, gab es nochmal eine kürzere Fassung einiger Bilder aus diesem Buch in „Highland Dress“ von George F. Collie. Er beschreibt auch die Geschichte des zuerst genannten Buches. Unter http://www.the-clann.co.uk/book/highland_dress.htm könnt ihr mehr lesen. Dieses Buch habe ich, das von 1848 ist mir aber zu teuer, obwohl ich hoffe, daß es mal wieder nachgedruckt wird — heute, wie es wieder ein wenig in Mode kommt, daß Männer Röcke tragen, und viele von den heutigen Rockträgern tragen Kilte, andere Männer aber tragen andere Arten von Röcken mit schottischen oder irischen Tartans oder anderen Mustern, seht mal in die Internetseite www.rockmode.de und von dort weitere Links.

So, und nun werde ich anfangen, die Bilder zu meinem Bericht — erträumt oder echt — zu zeichnen, sie sind — außer dem Brückenbild — lange ersehnt, schon immer, seit meiner frühen Kindheit in den 1930er Jahren in Hameln. Das zweite Bild mag es aber gewesen sein, das ich mit etwa 10 gesehen habe, und das den Anlass zu der ganzen Hinwendung meiner Fantasien gab.

 unten Bilder 8 und 9 aus dem Internet
Zwei alte Bilder mit Jungen im Kilt und langen Strümpfen
von Aryaman Stefan Wellershaus
Ma.Aryafrau@gmx.de
Eingestellt von Aryaman, Dr. Stefan Wellershaus am 10.IV.2013
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Mittwoch, 26. August 2009

Isa´s Leben bei Frau Katharina


Bild 1

nach Balthus: Isa bei Frau Katharina

die Liste aller Blogs von mir:
http://mein-abenteuer-mein-leben75.blogspot.com/

Neulich fand ich (Aryaman) die gemalten Bilder von den Mädchen des Malers Stanislas Klossowski de Roda aus Frankreich, genannt Balthus, interessant.
Daraufhin kaufte ich mir sein Buch „Balthus“, herausgegeben 2001 im Parkland Verlag Köln.

Aus des Balthus´ Kunst habe ich mir diese Geschichte erfunden und mit zwei eigenen Bildern — plagiiert nach Balthus — versehen. Die Geschichte macht mir Freude, aber sie ist auch ein Hinweis, wo die Bedürfnisse vieler Menschen liegen, nämlich die gelegentliche Rückkehr in frühe Kindheit, ganz emotional, ganz an die körperlichen Erlebnisse gebunden — die ja so sehr vernachlässigt sind in vielen Familien, ja von der Gesellschaft (in die wir ja alle eingebettet sind) abgelehnt. Und Balthus hat dem ein Podium gegeben, für Mädchen, übrigens Otto Lohmüller für Jungen, doch letzterer traut sich da weniger, oder sieht das anders als Balthus es sieht. An den Schluß setze ich noch einen Kommentar zu meiner Geschichte.

Diese Geschichte ist recht altmodisch und passt nicht mehr in die heutige Zeit. Dennoch: ein wenig Historie für euch.

„Sehr verehrte Frau Katharina,“ so begann ich meinen Brief an meine Geige-Lehrerin; — wenn ich das so gesprochen hätte, wäre meine Stimnme zitterig gewesen, aber so konnte ich mein Anliegen schreiben. Auch meine Hand und die Füllfeder zitterten, und ich mußte den Brief drei Mal schreiben, eher er glatt und ordentlich ausfiel und ohne Fehler.

„Sehr verehrte Frau Katharina, Sie kennen mich noch nicht lange, und dennoch möchte ich Sie bitten, daß ich in den Herbstferien bei Ihnen wohnen und leben darf. Meine Eltern werden in den warmen Süden reisen, wie sie sich ausdrücken, und nun suche ich eine Bleibe. Mit meinen Eltern möchte ich nicht reisen, und ich glaube, sie wären sowieso lieber allein. Sie, verehrte Frau Katharina, wissen ja, daß ich mit meiner Mutter nicht so gut zurechtkomme, und sie mit mir ja auch nicht, und bei Ihnen fühle ich viel Wärme und Verständnis für meine alles umfassende Liebe.“

So manchen kleinen Roman habe ich schon gelesen, meistens Liebesromane aus dem vorigen Jahrhundert, also aus den achtzehnhunderter Jahren, und aus ihnen habe ich so manche Formulierungen übernommen, die ich benutze, wenn ich mit Frau Katharina zusammen bin. Eigentlich heißt sie Katharina Holtzmann, doch ich nenne sie bei mir Frau Katharina Mägdefrau, ein Name, den ich mal gehört hatte. Denn ich finde es abscheulich, wenn Frauen immer Männer-Nachnamen haben, wieso eigentlich, sie sind doch keine Männer, und schon gerade nicht: sie gehören doch nicht den Männern. Und ich darf sie mit Frau Katharina anreden, was ich liebendgerne tue.

„Am Donnerstag, dem nächsten Geige-Unterricht in Ihrer Wohnung, werde ich Sie dann fragen, bitte, sagen Sie, daß das geht, und daß Sie gerne möchten, wenn ich bei Ihnen bin.
In Verehrung Ihre Isa mit der Geige.“

Den Brief ließ ich — wieder zitternd, auch zögernd — in ihren Briefkasten fallen, als ich zur Schule gehend an ihrem Haus vorbeikam. Nachmittags war ihre Antwort schon da:

„Liebe Isa mit der Geige, Dein Brief hat mich sehr erfreut, ach, Du weißt doch, ich liebe Dich wie wenn Du meine Tochter wärest. Natürlich darfst Du kommen. Es wird ja für zwei ganze Wochen sein, und wir können ordentlich viel Geige spielen und miteinander lernen und für uns allein schöne kleine Hauskonzerte machen, und auch sonst gute Zeiten miteinander haben. Bitte komm!
Bis zum Donnerstag.
In Liebe Deine Frau Katharina.“

Die Ferien werden erst in ein paar Wochen sein, doch an meinem nächsten Unterrichtsgang zu ihr war es mir, als wenn ich zu einem Liebes-Rendezvous ginge, was ich allerdings nur aus meinen Büchern kenne. Ich habe so etwas noch nie selbst erlebt. Und irgendwie soll dieser Besuch ja so etwas sein, ein Liebes-Rendezvous, da geht mein Sehnen hin. Meine Liebe zu Frau Katharina ist so stark, wie sie zu einem Jungen nie sein kann, glaube ich.

Ganz besonders hatte ich mich heute gekleidet, hatte lange vor dem Spiegel gestanden (meine Mutter bemerkte spöttisch: es ist doch nur zu Frau Holtzmann), hatte meine langen dunklen Haare lange gekämmt, ein wenig Rouge auf die Wangen gelegt und eine viertel Stunde nach dem richtigen Halskettchen für diesen Nachmittag gesucht, schließlich nahm ich eine Kette aus runden dunkelgrünen Steinen mit einem kleinen goldenen Medaillon unten dran.

Ein langes Kleid suchte ich mir raus, das aus einem weiten schwarzen Rock besteht, der bis über die Knie runter reicht, mit einem Oberteil aus einem feinen rot-rosa Karomuster und einfachen langen Ärmeln. Und feine graue Baumwollstrümpfe, ein hell-dunkelgrün gemustertes Halstuch, es ist wohl aus Seide, und mein Vater hat es mir mal von einer seiner langen Reisen mitgebracht. Meine elegantesten Schuhe sind schon halbe Pumps, mit etwas erhöhten Absätzen, in Schwarz mit einem kleinen Zierschleifchen oben drauf, die holte ich mir aus dem Schuhschrank.

Der Weg zu Frau Katharina ist nur zehn Minuten, es ist herbstlich kühl und stürmisch und mit etwas Regen, die Blätter fliegen umher und bedecken dicht die Wege in dem Park, an dem ich vorübergehe. Mein dicker beiger Wollmantel schützt mich vor dem Wetter, es ist ordentlich warm darin. Die Haare fliegen wild im Sturm und müssen nachher wieder gekämmt werden — vor Frau Katharinas Spiegel auf dem Flur. Die Haare erinnern mich an die Krähen, die ebenso wild vom Sturm durch die Luft gewirbelt werden. Ich wundere mich, wie die das überhaupt schaffen. An den Beinen ist es mir aber etwas kühl, Mantel und Kleid bedecken sie ja nicht ganz, und die Strümpfe sind zwar warm, aber nicht warm genug für dieses Wetter, und der Kleid-Rock ist unten so weit offen, daß er manchen Windzug nach oben dringen lässt. Dennoch, bis zu einem gewissen Grad mag ich diese Kühle.

Zögernd klingele ich an Frau Katharinas Tür. Sie öffnet … ach diese besondere Tür, vom Hausflur aus in ihre Wohnung, die im Erdgeschoß mit Ausgang zum hinteren Garten liegt. Diese Tür ist creme-farbig lackiert und glänzt wie neu, sie hat zwei Fenster nebeneinander, hinter denen weiße Gardinen gespannt sind. Nach oben ist die Tür leicht gewölbt — wie der Rahmen auch, natürlich. Und der Türgriff: er ist aus Messing, blank und spiegelnd, geformt wie ein großes Schneckenhaus, wie aus einem alten Märchenbuch genommen. Der Griff ist auf eine Messingplatte an der Tür montiert, die wie Blätter eines Baumes geformt ist, drei Blätter um den Griff angeordnet, so ein Baum steht vor dem Haus, er wird Gingko genannt. Jetzt im Herbst sind seine Blätter gelb, begeisternd schön.

Der Türrahmen ist breit und ebenfalls creme-farbig lackiert, doch ein schmaler hell-orange Strich zieht sich rund herum, entlang der Mitte jedes Brettes des Rahmens.

In der Mitte der Tür ist einer dieser metallenen Drehgriffe für eine Glocke innen. Ich drehe ihn und die Glocke scheppert eher als daß sie klingt. So sind die älteren Türen.

Frau Katharina also öffnet — leise sagt sie, „komm, Isa, du bist ja so früh“. Ich werde wohl rot und sage, „ja, ich habe mich so nach Ihrer Wärme gesehnt“.

Sie trägt ein langes Kleid, es ist weit und raschelt, wenn sie geht. Das Kleid ist schwarz und dunkelgrün senkrecht gestreift, jedenfalls unterhalb der Taille. Die dunkelgrünen Streifen verstecken sich hinter den Falten aus schwarzem Stoff, wenn Frau Katharina stillsteht, doch wenn sie sich bewegt und wenn sie sitzt, sehen sie hervor. Und der obere Teil des Kleides ist aus demselben Grün, er ist weit, gebauscht, hat einen Kragen wie ein Herrenhemd und vorne ein paar stoffüberzogene Knöpfe, wieder in Schwarz. Um den Hals trägt Frau Katharina ein beige Tuch geschlungen, ich denke, es ist aus Seide. Die Ärmel des Kleides sind halblang, und am Ende sind sie gerüscht, und ein schmaler Streifen von weißer Spitze sieht heraus.

Ihr Haar ist noch dunkler als meins und hängt heute halblang herunter, es ist etwas zu wild, denke ich; doch Künstler sind wohl so.

Später, wie Frau Katharina auf einem Stuhl mit altmodischer, gerundeter Rücklehne sitzt, sehe ich, sie trägt dunkelgraue Strümpfe und feine dunkelbraune Schuhe, die Absätze sind hablbhoch wie bei meinen Schuhen auch.

Ich hänge meinen Mantel an die Garderobe, wo schon ein tomatenroter Mantel und ein helles Cape hängen.

Dann sehe und wittere ich ein wenig umher — Frau Katharinas Wohnung duftet, einserseits nach Ölfarbe der Türen, sie sind alle so gestrichen wie die Flurtür. Dann nach Bohnerwachs und schließlich nach einem Parfüm, wovon ein Fläschchen im Bad steht. Auf dem Fläschchen — Flacon nennt sie das Fläschchen — ist ein grün-goldenes Schild mit der Aufschrift „4711 – Eau-de-Cologne“. Frau Katharina tropft mir zwei Tropfen innen auf jedes Handgelenk und weist mich an, immer mal wieder daran zu riechen.

Die ganze Stimmung in Frau Katharinas Wohnung ist so ganz anders als bei uns, gediegener möchte ich sagen, ein wenig altmodisch, fein, ruhend — obwohl Frau Katharina gar nicht alt ist, ich schätze sie auf höchstens 30, jedenfalls jünger als meine Mutti. Ich nehme meinen Geigenkasten, und wir gehen in Frau Katharinas Musikzimmer. Sie nimmt mich in ihre Arme, schiebt vorsichtig ein paar meiner Haare zur Seite und küsst mich auf die Stirn, streicht mir leicht mit ihrer duftenden Hand über meine rechte Wange, „wie zart sich deine Haut anfühlt. Du siehst wunderschön aus, Liebes,“ sagt sie einfach.

Ich möchte mich tiefer in ihre Arme und in die raschelnden Falten ihres Kleides fallen lassen — doch habe ich Scheu. Ein paar Tränen möchten in meinen Augen fließen, doch ich bleibe nüchtern, halte meine liebende Rührung zurück. „Komm, wir wollen eine Stunde üben, und ich möchte dir einiges Neues zeigen.“ Sie setzt sich ans Klavier, und nach einigen früheren Übungen, die ich wiederhole, versucht Frau Katharina, mir die Anfangsgründe des Vibrato zu zeigen. Schon wie ich dieses Wort höre, beginne ich wieder zu zittern, meine Sehnsucht nach ihrer Nähe lässt meinen Körper beben, mein Gesicht ist ganz ernst, fast steif. „Vibrato einzuüben passt in deine Stimmung heute, du vibrierst ja schon ohne die Geige zu berühren — was ist mit dir?“

Ich kann nichts sagen — es ist einfach so schön hier. Wohl ist es noch mehr, aber ich kann es nicht ausdrücken. Verlegen sehe ich mich im Raum um, wir sind beide ganz still, nur das Rascheln … An der Wand sehe ích ein großes Bild, von einem Mädchen, das ein dunkelrotes Kleid anhat, es sitzt auf einem eigenartigen Sofa und hält einen Handspiegel hoch, in dem sich eine Katze ansehen soll. Ich weiß nicht, ob Katzen sich im Spiegel erkennen können, doch das Bild liebe ich. Das Mädchen hat ein Mantelkleid an, und besonders mag ich ihre knallroten Strümpfe, die ich bis weit unter ihr Kleid sehen kann, sie hat es etwas hoch gerafft wie sie da so sitzt. Jetzt erkenne ich, die Strümpfe haben dunkelgraue Streifen in Längsrichtung, von den Füßen bis hinauf unter den Rock verlaufend — und dann das Knallrot dazwischen —, nur oben ist breiter ein hellroter Rand … und gehalten werden sie von schwarzen Strumpfhaltern — oh, was für eine schöne Kleidung!

Doch noch ist die Stunde nicht um, und statt des Vibrato übe ich einen Ton lange zu halten, einen langen gleichmäßigen Strich zu spielen — ist das eine Vorübung zum Vibrato?

Später höre ich von Frau Katharina: „Das Bild hat mir ein Freund geschenkt. Er hat es extra für mich gemalt weil er weiß, daß ich so ein Sujet liebe. Und er sagte dazu, so könnte ich mir eine kleine Freundin von dir vorstellen … und nun …“ Sie kann nicht weitersprechen. „Was ist nun?“ frage ich ungeduldig. „Ja, und nun bist du vielleicht … hast du rote Strümpfe? Ich möchte dir gerne mal solche schenken, mit langen dunklen Streifen auf knallrot, ein Paar, ja?“ Schweigend und voller Wundergefühl höre ich, „willst du meine kleine Freundin sein? So ähnlich wie der Maler Baldhaus sie dort gemalt hat? Vielleicht hat er dich schon gemalt … in Vorahnung, denn das Bild ist gewiß schon zehn Jahre alt, da kannte ich dich noch lange nicht, fast bist du da noch in der Kindersportkarre gefahren worden.“

Versonnen sieht Frau Katharina auf das Bild und dann auf mich. „Ja, da ist auch eine Ähnlichkeit zwischen euch beiden.“. Sie steht auf und holt ein feines rosa Tuch, das sie mir um den Hals legt, und küsst mich wieder auf die Stirn.

„Ach, eigentlich haben wir genug geübt.“ Sie geht wieder zu dem Stuhl mit der runden Lehne und fragt unsicher und steif, „willst du dich auf meinen Schoß setzen? Ich würde mich sehr freuen.“ Verlegen stehe ich vor ihr und weiß nicht, was ich will. Ja, das würde ich gerne, doch geht das nicht zu weit? Bin ich noch so klein? Schließlich gehe ich langsam zu ihr und setze mich so, daß sie meinen linken Arm um ihren Hals zieht, und meinen Kopf an ihre rechte Schulter legt. So sitzen wir still zusammen, eine ganze Weile lang. Es kommt etwas hoch in mir, ich fange an zu schluchzen, vor Seligkeit und Freude, „ich liebe sie so, Frau Katharina“ schluchze ich.

Sanft streicht sie mir wieder über das Gesicht. Sie dreht meinen Kopf hervor aus ihren Kleidfalten, streichelt ganz fein meine Lippen mit zwei Fingern, und streicht mir dann über die Brust. Sie muß fühlen, daß meine kleinen Brüste nun etwas harte Knospen haben — das hatte ich noch nie erlebt, ich kenne dieses Gefühl gar nicht. So ist es, immer was Neues — ist mein Leben noch so kurz mit 16 Jahren, daß Neues noch so schnell aufeinander folgt?

… dennoch: mein Körper ist noch ziemlich klein, ich komme mir immer wieder vor wie ein 14-jähriges Mädchen. Und diese Frau ist so groß — ich würde gerne ihr Kind sein, ihre Tochter. Sehnsüchtig schluchze ich noch ein wenig.

Frau Katharina sagt sanft, „es ist doch gut mit uns beiden, ich liebe dich auch, du liebe Isa,“ und streicht wieder über mein Gesicht … „so ein schönes weiches Gesicht, und so naß von den sehnsuchtsvollen Tränen.“ Sie legt ihren rechten Arm um mich. Mit der linken Hand berührt sie mein Knie, „das darf ich doch?“ Leise und wonnevoll nicke ich, natürlich darf sie, ich mag es so gerne wie ihre Hand mein Knie umfasst. Frau Katharinas Hand schiebt mein Kleid so weit hoch, daß sie die Knie ganz sehen kann.

Langsam schieben sich ihre Finger über meine Knie, und durch die leicht gerippten Baumwollstrümpfe ist das Gefühl so schön. Und wie sie meine Schenkel mit ihrer ganzen Handfläche streicht, die Hände wärmend darauf legt, könnte ich schon wieder zerfallen …
Frau Katharina schiebt mein Kleid noch höher, und da kommt mir das Gefühl, mich ganz zu öffnen. Ein Gedanke kommt nach oben — zwischen all diesen Gefühlen mal ein richtiger Gedanke: so ein Kleid verschließt uns voneinander, und wenn wir es hochschieben, öffnen wir uns für tiefe Gefühle. Mädchen und Frauen haben es leicht miteinander: einfach das Kleid hochraffen. Für die Menschen mit langen Hosen ist es da schwieriger, deswegen will ich nie Hosen tragen (später, in sehr schwierigen Zeiten werde ich es doch mal tun).

„Gleich wird Herr Baldhaus mich besuchen, er wird durch den Garten und durch die Verandatür hereinkommen. Wir haben uns sehr gerne. Würde es dir unangenehm sein, wenn er uns so sieht?“ Ich denke ein wenig und finde, „nein, es wird mir nicht unangenehm sein, wenn SIE das nur mögen. Ich mag es, meine Liebe auch anderen zu zeigen — wie ich es auch mag, meine Tränen und mein Lachen nicht zu verstecken, alle guten Menschen dürfen mich sehen, meine Gefühle.“

Aber Herr Baldhaus kommt noch nicht. Frau Katharina dreht mein Gesicht zu sich hin und berührt meinen Mund still mit ihren Lippen. Bisher hatte ich nur — gelegentlich muß ich gestehen — meine Mutti geküsst, so zum Gruß, mehr nicht, — meinen Vati sehr selten, ich mag das bei ihm nicht: seine Bartstoppeln sind mir unangenehm, und ich habe Angst, daß er meine zarten Lippen zerkratzt. Außerdem raucht er viel, und sein Atem riecht unschön, richtiger: er stinkt …

Doch Frau Katharinas Kuß, so leicht und so voller Reinheit und Düften und Liebe … auch wieder etwas ganz Neues, es berührt mich ganz tief, zieht sich durch meinen ganzen Körper, bis unten hin. Wieder dieses Vibrieren überall, dieses feine Zittern, besonders da unten im Unterbauch und zwischen den Schenkeln. Frau Katharina sagt, „berühre doch mal mit einem Finger meine Kehle, fühle wie weich sie ist, und doch hart innen. Da spürst du mein Sprechen, und mein Singen …“ Und sie singt ein kleines Lied, und ihre Stimme klingt so hell und mädchenhaft wie ich es nur von Kindern kenne. Ich denke, ist sie vielleicht noch etwas ein Kind? Ist es DAS, was ich an ihr liebe?
Dann: „nun streiche langsam nach unten, entlang meiner Körpermitte, über den Bauch und dann …, doch nun sitzt DU da ja, und es geht nicht weiter.“

Frau Katharina lässt meinen Oberkörper, der in ihrem Arm liegt, nach hinten sinken. Es ist mir so, daß ich richtig hineinsinke, ich lasse in ihrem Arm versunken so manches los, an das ich mich sonst festklammere, zum Beispiel, daß ich für mich stark sein muß, das ich ICH bin und niemanden daran lassen darf … Frau Katharina sagt. „wie weit möchtest du dich öffnen, wie frei und lose möchtest du sein?“

Ich tue einfach etwas, ich schiebe meinen Kleidsaum höher — als Enladung für Frau Katharinas Hand, weiter meinen Schenkel zu streichen. Ich schiebe ihn so hoch, daß die Schenkel oberhalb der Strümpfe frei werden, kühl wird es mir da nun, fast wie vorhin im Parkwind. Und Frau Katharina berührt mit einem Finger meine Strumpfhalterspange, „die blitzen ja wie aus Silber, so ein Schmuck!“

Verlegen sagt sie, „ich wünsche mir, daß du dein Kleid ganz nach oben ziehst, und deinen Unterrock auch — oh ist der schön, mit einer wundervollen Spitze, wie kommst du nur dazu?“ Den schwarzen Kleidrock und den weiten weißen Unterrock raffe ich hoch bis sich beide auf meinem Oberkörper häufen, möchte ich mal sagen, und an der Seite weit hinunterhängen. Nun ist mein Bauch, mein Nabel, alles ist bloß für Frau Katharinas Augen hingelegt, und ich fühle mich offen, fast als ob mein Körper sich öffnet … eine winzige Erinnerung kommt auf, wie ich als ganz kleines Kind vor meiner Mutter lag und sie meinen nackten Leib einölte und streichelte. Es ist eine wehmütige Erinnerung, denn nun ist sie nicht mehr so zu mir.

Frau Katharina legt ihre Hand auf meinen Unterbauch — und ich habe das Gefühl, daß sich nun mein ganzes weibliches Leben unter ihrer Hand geschützt findet, meine ganze innerste Weiblichkeit ist hier besser geschützt als unter jedem Kleid.

Ja, dieser Unterrock mit den Spitzen: eine Tante hat ihn mir geschenkt, er ist aus ihrer Jugendzeit, sagte sie. Er ist aus einem derben Stoff geschneidert (keine Seide, oh nein, glücklicherweise nicht, denn Seide mag ich nicht so gerne auf der Haut), und sie hatte vorher eine breite Borte aus belgischer Spitze darangenäht, immer sichtbar, wenn mein Rock sich mal hochschiebt — beim Spielen und Laufen im Park, wenn ich in einem Sessel sitze oder auf einem Fahrrad, sogar im schnell fahrenden Karrussel … „was für ein hübscher Unterrock, so viel richtige Fraulichkeit! — so bist du Weib“ wispert Frau Katharina.

Ganz aufgelöst, losgelöst liegt mein Kopf in Frau Katharinas Arm. Sie ordnet noch ein wenig meine Röcke, wie eine Mutter bei ihrer Tochter — „was für ein süßes Höschen du anhast — darf ich es mal ein wenig zur Seite schieben?“ Und mit ganz liebender und weicher Hand zieht sie es zu sich hin, und sieht sich voller mütterlicher Anteilnahme meine fast nackte mädchenhafte Vulva an — in mir ist Vertrauen und volle Hingabe, volle Liebe in meinen eigenen Körper, ja sogar meine Beine gehen ein wenig auseinander … und alles ist nun an dieser Stelle, alle meine Aufmerksamkeit. Mein Unterkörper beugt sich sogar Frau Katharinas Blick entgegen — da öffnet sich leise die Terrassentür, und zögernd kommt Herr Baldhaus herein, „… darf ich?“

„Ja, du darfst, Isa ist auch offen für deinen Besuch, denn ich habe ihr gesagt, daß du voller Liebe bist. Und sie ist auch solch´ eine Liebevolle …“

Erst will ich meine Hand über das legen, was Frau Katharina eben freigelegt hat, die Hand legt sich darauf, doch gleich zieht sie sich wieder zurück — und ich fühle eine noch weitere Offenheit und Freiheit, schließlich bin ich noch ein Kind, mit diesem Sehnen nach Anteilnahme, Anteilnahme von allen Menschen, und es sollte nichts zu verbergen sein — fühle ich. Ich brauche diese Anteilnahme. Das ist doch Kindsein — Anteilnahme brauchen, oder?
„Oh, Liebste, welch süßen Engel hast du da auf deinem Schoß liegen! Hat der Himmel dir einen Boten geschickt? — eine Botin?“
„Ach, diese kleine Isa ist meine geliebte Freundin — und wir lieben uns so innig, daß …“ Und Frau Katharina streichelt das obere Viertel meiner Schenkel, wo sie nicht von den Strümpfen bedeckt sind, und wieder biegt sich mein Unterkörper ihr leicht entgegen — ohne daß die Anwesenheit des Mannes ihn aufhalten könnte.
„Liebste Katharina, du weißt, daß ich dieser Art Szenen schon immer mit der Feder, mit dem Pinsel festhalten möchte — und auch des öfteren festgehalten habe,“ und er sieht kurz auf das Bild an der Wand …, „darf ich? … darf ich, verehrtes Fräulein Isa? … darf ich, liebstes junges Fräulein?“ Beide nicken wir zustimmend, und der Herr Baldhaus setzt sich auf einen Stuhl und beginnt mit ein paar Skizzen …

… während Frau Katharina weiter erforscht, was sie findet. „Oh Isa, wer gab dir dieses entzückende Höschen, gewiß ein Liebster? Und wer gab dir diesen reizenden Strumpfhaltergürtel, in rosa Seide und mit breiten hellblauen Spitzen, gewiß dein Liebster, ja?“
„Ach nein, Frau Katharina, so einen Liebsten habe ich nicht. Ich nahm sie heimlich von meiner Mutti. Sie verbirgt sie in ihrer Schublade, die sie die Schublade meiner Kindheit und meiner Jugend nennt. Ab und zu darf ich mal hineinsehen und dieses und das anprobieren und mir erzählen lassen, wie es ihr als Kind erging. Sie muß da weicher gewesen sein als heute, heute ist sie so hart, ich meine hart für eine Frau …

Sagen Sie, Frau Katharina, geht Erwachsenwerden so? … härter werden?“ Aber sie sagt nichts dazu.

„Dieser Tage ist meine Mutti nicht da, und da ich mich für den Besuch bei Ihnen besonders schmücken wollte — schmücken als jugendliches liebendes Fräulein“ sage ich lachend, „habe ich mir diese Stücke einfach genommen. Sind sie hübsch, bin ich ausreichend geschmückt damit?“
Um Herrn Baldhaus kümmere ich mich gar nicht — wie ich später sehe, hat er uns tatsächlich in vielen Skizzen festgehalten, und Frau Katharina hat sich und auch mich in immer neue Situationen gebracht.

Langsam lässt ihr Arm meinen Kopf los, der sinkt ganz nach hinten, fast bis auf den Boden, doch da liegt ja ein weiches Kissen, das meine langen Haare auffängt. Ich schließe die Augen vor Genuß und Hingebung, manchmal werden meine Augen feucht vor Rührung, vor der Hingabe, der heilsamen Hilflosigkeit. Einmal nimmt Frau Katharina eine Strähne meines Haares und zieht daran, und gleichzeitig streicht ihre andere Hand an meinem Bauch, an meinem Schenkel nach unten, erst über die Haut, dann über das Strumpfhalterband und den Strumpf, und dabei spannt sich das Band und der Strumpf — ein erregendes neues Gefühl, ich fühle mich ganz als Kind. Und sie berührt ganz zart meine Vulva — und da ist es noch mehr: mich als Kind fühlen, aufgelöst.
„Darf ich dir mal einen eigenen, besonders hübschen Hüftgürtel schenken? Mit zwei Paar reizvollen Strumpfbändern dran, die du verstellen kannst? Mit Spitzen und Rüschen verziert,“ fragt mich Frau Katharina. Ich sage nichts, lasse mich nur noch mehr nach hinten sinken. Diese Hingabe, diese Liebe, große Liebe, sie erfüllt meinen zitternden Körper, und meine Seele zittert mit. Da ist nur Liebe in mir — „ich könnte in Liebe die ganze Welt umarmen“ — wie ich mal gelesen habe.

Frau Katharina streicht sanft über meinen Bauch, steckt auch mal ein paar Finger unter den Hüftgürtel, streicht unter ihm die Haut, und dann geht die Hand über den Gürtel hinweg und streicht weiter unten langsam weiter. Es ist wieder so warm — eine uralte Erinnerung kommt in die Klarheit: in anderen Zeiten, scheint mir, liege ich in einer dieser alten Wiegen, als ganz kleines Baby, auf goldenem Stroh und sonst nackt, und alles ist warm, und eine liebevolle Hand streichelt meinen ganzen Körper, und ich kreische vor Wonne.

Wie einem kleinen Kind zieht mir Frau Katharina mein leichtes Höschen ganz über die Beine nach unten, ganz aus und legt es auf einen Stuhl — ach, es ist ja gar nicht mein Höschen, ich hatte es ja aus Muttis Schublade genommen. Ich selbst habe nur solche häßlichen Schlüpfer … Ganz nackt fühle ich mich nun und räkele mich auf Frau Katharinas Schoß — und lasse mich gleich wieder fallen. Ihre Hand liegt zwischen meinen Schenkeln, dort oben, wo die Strümpfe sie nicht mehr bedecken, wo alles nackt ist. Ja, wo alles FREI ist.

Nie wieder will ich ein Höschen anziehen, schon gerade nicht jene schrecklichen Schlüpfer. Die Nacktheit — verborgen unter langen Röcken — ist so natürlich, ich fühle mich so ECHT und rein wie nie zuvor. Hier bin ich ICH. Hier bin ich das 16-jährige Mädchen Isa. Da schützen mich meine langen und weiten Röcke vor allem, was mir gefährlich werden könnte — nur nicht vor einer willkommenen Brise der Natur; und das Waldmoos und die kleinen Tiere, die in ihm leben, ja, die Elfen und Nixen dürfen mir in den Rock sehen und mein Schönstes und Geheimnisvollstes und Mädchenhaftestes bewundern — so wie ich es auch selbst bewundere, und Frau Katharina es auch darf.

Frau Katharina beugt sich vor und küsst meinen Leib überall, wo ihre Lippen nackte Haut finden. Meine Vulva wird von ihren Küssen geehrt, meine Schenkel … — ja, sie löst einen Strumpf und küsst die Haut bis zum Knie. Sie küsst das Haarbüschelchen oberhalb der Vulva (später sehe ich, daß Herr Baldhaus es auf den meisten Skizzen und Gemälden weggelassen hat — für seinen Stift bin ich noch eher ein Kind als eine 16-jährige sein kann).

Frau Katharina schiebt den Strumpfhaltergürtel nach unten um meinen ganzen Bauch mit Küssen zu ehren, und sie schiebt mein Kleid auch noch etwas hoch. Nur meine kleinen Brüste (ich wünsche mir, daß sie nie so groß werden) erreicht sie nicht, sie werden von der Hand liebevoll durch den Stoff getätschelt.

Langsam hebt Frau Katharina meinen Oberkörper wieder — ich tue wirklich gar nichts, lasse alles geschehen wie es geschieht, liege vertrauensvoll in ihrem Arm.

Meine Kleidung wird wieder geordnet — nur das Höschen zieht sie mir auf meinen Wundsch nicht wieder an. Auf Frau Katharinas Bitte geht Herr Baldhaus ins Bad und kommt zurück mit einem Waschlappen, den er naß getränkt hat mit warmem duftenden Wasser. Erst wäscht Frau Katharina mich zwischen den Schenkeln und dann mein Gesicht. Es ist so viel kindliche Freude, so viel kindlicher Genuß auf meiner Seite. Und so viel mütterliche Wärme auf ihrer Seite. Ob ich je sowas Schönes wieder erleben werde? Und schon lange — das entdecke ich nun — habe ich mich danach gesehnt, ohne daß ich mir dessen bewußt gewesen wäre … nur ein dumpfes, stilles Sehnen war da. Sind das verlorene Kindheitserlebnisse? — nicht voll ausgekostet damals vor 10 oder 12 Jahren?

Später wird Frau Katharina einen kleinen seidenen Beutel holen und mein Höschen hineintun. Ich will es ihr als Andenken schenken, doch sie gibt es mir zurück, „du mußt es wieder in die Schublade zurücklegen, es gehört dir ja nicht. Und außerdem bauche ich kein Andenken, DU bist das Andenken, immer wenn ich dich sehe oder dein Bild in meine Träume kommt.

Ich setze mich vorsichtig auf und sehe erst jetzt richtig Herrn Baldhaus, wie er mit geschlossenen Augen auf einem Stuhl sitzt und sich von der Sonne bescheinen lässt, die aus dem Garten ihre Strahlen hereinschickt. Um ihn herum liegen lauter Skizzen in Rötelstift.

„Haben Sie uns schön gezeichnet?“ frage ich. — „Ach, meine Zeichnungen sind schön geworden, weil IHR schön seid, ein so schönes Paar von Mädchen und Frau.“ Später schenkt er mir ein kleines Gemälde, eines von den vielleicht zehn oder fünzehn, die er fleißig nach den Skizzen gemalt hat. Dieses kleine Bild ist in Pastelltönen gehalten, hellblau, rosa — und meine Strümpfe in feinem Grau, und wie ich ganz nach hinten übergelehnt auf Frau Katharinas Schoß liege.

Eigentlich, nach den üblichen Denkweisen, sollte mir das peinlich sein. Ist es aber nicht, denn ich sehe, daß seine Kunst viel höher ist als meine persönlichen Gefühle (außerdem ist mein Gesicht nicht zu erkennen). Ich hänge es in mein Zimmer, aber meistens hängt ein feines Tuch darüber, weil ich es für mich allein haben will.

Ich bin mal zu Herrn Baldhaus gegangen, und da hatte er für mich eine kleine Bilderausstellung in seinem Studio aufgehängt.

Es war schon sonderbar: da hing ich nun, ich meine meine Bilder. Und es hat mich sehr tief berührt, alle diese Bilder zu sehen. Ich lehne mich an die Wand, und unter meinem Kleid fängt mein Körper wieder an zu zittern, ich folge dem Bedürfnis, Kleid und Unterrock hochzuraffen und den neuen Strumpfhaltergürtel von Frau Katharina ein wenig zu ordnen, gerade und wieder auf die richtige Höhe zurechtzuziehen, freundlich sieht Herr Baldhaus zu mir hin und wieder in seinen Garten, und in die Sonne, die herbstlich sanft durch das Fenster scheint, „was bist du für ein schönes Mädchen,“ sagt er mit feiner Stimme. Und er macht wieder Skizzen für ein neues Gemälde, ich habe aber doch wieder ein Höschen drunter, und das ist gut, weil er mich bittet, mich für die neuen Skizzen mit hochgezogenem Bein so auf ein Bänkchen zu setzen, daß das Kleid sich zusammenfaltet und in der Bein-Neige sammelt. Ihr könnt das Ergebnis auf dem dritten Bild sehen, ich meine die Skizze. Denn ein Gemälde hat er davon auch gemacht, aber später, doch das hat er verkauft an ein Museum für Moderne Kunst. Ich werde nun ein wenig bekannt als Modell, obwohl auch hier mein Gesicht nicht zu erkennen ist. Auf den Bildern nennt er mich Theresia.

Auf Herrn Baldhaus´ Bildern empfinde ich mich als Mädchen, ganz als Mädchen, ganz als Frau (vielleicht eher als werdende Frau noch). An seinen Bildern habe ich endlich erkannt wie reizvoll und mädchenhaft schöne Strumpfhalter und Unterröcke sein können — wenn der Rock hochfliegt zum Beispiel, und da haben wir Frauen wohl unseren besonderen Spaß dran — wenn alle Kleidung darunter wirklich schön ist. Ich liebe es, wenn ich die Mädchen so ansehen kann — und sie mich so sehen. Ich merke, Mädchen sind mir wichtiger als Jungen, viel wichtiger.

Doch EINEN Mann beginne ich in diesen Wochen auch zu lieben: ja fast zu begehren, ohne es ihm zu gestehen: Herrn Baldhaus. Doch was heißt eigentlich „begehren“ für mich? Ich kann es nicht sagen, ich fühle nur die große Sehnsucht nach ihm, wenn ich nicht in seiner Nähe bin. Fast eine so starke Sehnsucht wie nach Frau Katharina.

Fast so oft wie ich Frau Katharina besuche gehe ich zu ihm. Nun ja, die zwei Wochen Herbstferien bei Frau Katharina waren für mich der Himmel. Auch Herr Baldhaus kam das eine oder andere Mal zu ihr — oder soll ich ZU UNS schreiben? Doch weil es ihm — wie er mir erklärte — nicht darum geht, MICH darzustellen sondern ein eher allgemeines Bild von junger Frau oder Mädchen zu erschaffen, hat er das Gesicht und machmal auch den Körper immer wieder verändert: er braucht lediglich Hinweise, sagt er, durch meinen Körper …

Nicht nur, daß er so wunderbar die Seele der Mädchen malt, na ja, hauptsächlich MEINE Seele, die so angefüllt mit Offenheit und Liebe ist — mehr weiß ich ja nicht. Obwohl seine Mädchen äußerlich immer anders aussehen: ich finde MICH immer wieder in seinen Bildern — ist das übertrieben?

 Bild 2 
Isa´s weißer Unterrock

Aber auch, weil ich in ihm einen Mann entdecke, der keinen stacheligen Schnurbart trägt (sondern einen sehr weichen), der nicht raucht — etwas so wichtiges für die Liebe. Meistens kleidet er sich in weiße oder beige lose Kleidung, eine weite Hose, ein weites Hemd, ein weiter beige Schlapphut, und um den Hals trägt eines seiner vielen Seidentücher, meistens in Pastellfarben. Doch trägt er auch gerne Röcke — ich wußte nicht, daß es Männer gibt, die Röcke tragen außer in dem berühmten Schottland.

— lange weite Röcke, die ihm eine Schneiderin näht, mit der er befreundet ist, und die Stoffe lässt er sich aus England oder Schottland schicken, diese schönen hellen karierten Tartan-Stoffe der schottischen Webereien wie er mir erklärt.

Irgendwann schenkt mir Herr Baldhaus einen solchen Stoff in beige und orange Tönen (ganz ohne schwarzen Faden darin), und er lässt mir ein langes, weites Kleid — mit Taille! — daraus machen, von seiner Schneiderin, in dem er mich oft malt. Mit einem blaß-grünen Seidentuch um die Taille oder den Hals geschlungen. Ich sitze dann in seinem niedlichen, grün bebuschten Garten auf einer Bank mit einem hellen Bastgeflecht als Sitz, das passt gut zu meinen dunklen Strümpfen, sagt er, oder auf dem Rasen oder auf einem Baum (es ist etwas schwierig, in so langen Gewändern auf einen Baum zu klettern).

Wenn es sich so ergibt, lässt er bei seinen Bildern die Betrachter auch unter meinen Rock blicken, ein wenig nur, damit alle meine „schönen Beine und Strümpfe“ — wie er sagt — auch recht genießen können, und die besonderen Unterröcke, die ich nach seiner Meinung trage: mit breitem Spitzenrand. Doch manchmal malt er mir ein gerüschtes Höschen an, und oft ein ganzes Bündel von von weißen Spitzen-Unterröcken. „So ergibt sich das Weibliche, das Mädchenhafte, ganz offen, leicht, hingebungsvoll — und meist doch verdeckt,“ sagt Herr Baldhaus. „Röcke sind offen, freundlich, Hosen aber sind zu, sie sind abweisend …, wer DAS will, für den ist es auch richtig.“

Auch malt er Aktbilder von mir. Eher noch, wie ich älter bin, so um 18 und später .

Ich frage, „wieso lassen Sie denn die Haare weg?“ und er meint, „es ist wohl eine Sehnsucht darin, eine Sehnsucht danach, eine Art Mensch zu sein, die ich nicht sein kann, ich kann kein Mädchen sein — also male ich sie eben … vielleicht ist es wohl DAS.“

Viele seiner Mädchen auf den Bildern — nicht nur mich malt er ja — tragen kurze Röcke oder Kleider, kürzer als es normal ist. Er mag es einfach so, dennoch hat er mir ein so langes Kleid machen lassen. „Wenn Sie eine Tochter hätten, wie lang müssten ihre Röcke dann sein?“ frage ich ihn. Doch er gibt mir keine Antwort, zuckt nur die Schultern und zeigt auf eines seiner Bilder, wo ein Mädchen ein langes Kleid trägt und lächelt dabei.

Herr Baldhaus liebt auch Frau Katharina, er sagt, „eigentlich liebe ich alle Menschen, ich meine, ich liebe alles, ich bin voller Liebe.“ Da verstehe ich ihn sehr gut, ich glaube, ich bin ihm da ähnlich. Und ich sehe die beiden je und je zusammen, nicht selten bin ich dabei, und wir fühlen uns wie eine kleine Gruppe, in der sich mütterliche und väterliche Gefühle finden, und ich erfühle meine Tochterrolle, meine Rolle als Kind — ja als ein Kind — ähnlich wie meine Traum-Familie, die ich mir oft vorstelle. Obwohl beide noch viel jünger sind als meine Eltern.

Und nun Aryaman´s Kommentar:
Balthus wird zuzeiten verstanden als ein Mädchenliebhaber, was in die Klasse Pädophile gesteckt wird. Ist Pädophile nicht ein schönes Wort: Mädchen-Liebhaber, Knaben-Liebhaber? Kinder-Liebhaber? Ist Liebe nicht etwas ganz Besonderes? Gibt es überhaupt ein lebenswertes Leben ohne Liebe? Isa sagt einiges dazu.

Gewiß war Balthus ein Mädchen-Liebhaber, warum nicht? Das Problem hat die heutige Zeit nicht in der Liebe (vielleicht doch?), sondern in der Gewalt, die oft mit Sex (aber nicht mit Liebe) verbunden ist, auch mit Kindern. Ob sexuelle Gewalt mit Kindern in geordneten Friedenszeiten wirklich so oft vorkommt wie es gesagt wird, weiß ich nicht, aber Gewalt ist ein allgemeines Thema dieser Zeit, auch im Frieden: Überall ist Gewaltausübung ein Weg, sich zu behaupten, sich durchzusetzen — auch gegenüber Kindern, und Kinder werden bereits früh zur Gewalt erzogen und angehalten.

Das aber muß Isa in dieser Geschichte nicht erleben. Weil sie ihr Leben liebt, ihr Leben als Kind liebt, gibt sie sich hin — doch unsere Gesellschaften würden darin immer die Gefahr von Gewaltanwendung riechen — deswegen wird mancher meine Geschichte als gefährlich beurteilen — und versuchen, alle Beteiligten von dieser Offenheit und Liebe abzuhalten … mit dem Risiko, daß Isa ihr Kindsein nicht genießen und in die späteren Jahre mit hineinnehmen kann. Und es werden ihr wesentliche Erlebnisse fehlen, wie so vielen von uns.

Aryaman Stefan Wellershaus
Ma.Aryafrau@gmx.de
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